Krankenhäuser vor der Insolvenz
Liquiditätsprobleme

Christoph Radbruch, der frühere Vorsitzender der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg
  • Christoph Radbruch, der frühere Vorsitzender der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg
  • Foto: DEKV/H.-C. Plambeck
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Die Corona-Epidemie stellt die Krankenhäuser nach Angaben des Vorsitzenden des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV), Christoph Radbruch, derzeit nicht vor akute Probleme. «Noch sind die Kliniken in der Vorbereitungsphase und schaffen die Kapazitäten für den vermuteten Anstieg der Zahl der Corona-Patienten». Allerdings sieht Radbruch nach eigenen Worten insbesondere auf die mehr als 500 freigemeinnützigen Häuser große Liquiditätsprobleme zukommen. Er forderte deshalb vom Gesetzgeber «kurzfristige Regelungen».
In den Krankenhäusern würden derzeit medizinisch nicht notwendige Operationen zurückgestellt. «Wir haben dadurch weniger Patienten als üblich», sagte Radbruch, der 14 Jahre lang eine Klinikgruppe in Magdeburg geleitet hat. Um für die erwarteten Belastungen in den Intensivstationen gewappnet zu sein, würden Beatmungsplätze eingerichtet, Bestände aufgefüllt und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult. Entscheidend werde in den kommenden Wochen sein, dass es mit den von der Politik erlassenen drastischen Einschränkungen gelinge, eine schnelle Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wenn die vorhandenen 28 000 Intensivbetten ausreichen «und nicht allzu viele Ärzte und Schwestern in Quarantäne müssen», werden die Krankenhäuser nach Radbruchs Überzeugung die Patientenversorgung sicherstellen können.
Seinen Optimismus nimmt er auch aus den Erfahrungen, die er als Krankenhausleiter während eines Elbe-Hochwassers in Magdeburg gemacht hat, wie er sagt: «Da mussten wir das gesamte Krankenhaus evakuieren und stündlich die Dienstpläne umstellen.» Die Herausforderungen seien vor allem wegen einer «hohen intrinsischen Motivation» der Beschäftigten gestemmt worden.
Dass jetzt Krankenhäuser aus Sicherheitsgründen Patientenbesuche einschränken, ist laut Radbruch «geübte Praxis». Dem Klinikpersonal seien derartige Maßnahmen bereits aus Grippewellen bekannt – allerdings sei dies noch nie flächendeckend geschehen, räumt er ein. Angehörige und Freunde, die an den Klinikpforten abgewiesen werden, nähmen dies nach seiner Kenntnis «mit großem Verständnis» hin.
Der Vertreter der 200 evangelischen Krankenhäuser in Deutschland fordert von der Politik sofortige Finanzhilfen für freigemeinnützige Kliniken, da diesen sonst binnen sechs Wochen die Insolvenz drohe. «Die Patientenzahlen werden derzeit wegen der Corona-Epidemie heruntergefahren, damit sinken aber auch die Einnahmen», erklärt Radbruch. Um zu verhindern, dass die Krankenhäuser in eine Liquiditätslücke geraten, müssten die Krankenkassen Rechnungen sofort bezahlen und nicht, wie üblich, erst nach 30 Tagen. Zudem verlangt Radbruch von den Kassen eine Abschlagszahlung in der Höhe vom März 2019. «Hier muss der Minister unverzüglich eine Vorschrift auf den Tisch legen», forderte Radbruch. (epd)

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Online-Redaktion aus Weimar

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