Jahrestreffen in Erfurt
Kirchen und Landesregierung vor ähnlichen Herausforderungen
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Erfurt (KNA) Spitzenvertreter der Kirchen in Thüringen sind am Donnerstag mit Vertretern der Landesregierung zum traditionellen Jahrestreffen in Erfurt zusammengekommen. Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sprach nach dem zweieinhalbstündigen Gespräch von einem gelungenen Austausch, bei dem deutlich geworden sei, welche wichtige Rolle die Kirchen im Freistaat spielten.
Romreise zum 30. Jubiläums des Staatskirchenvertrags
Kirchen wie Politik stünden vor ähnlichen Herausforderungen, etwa durch den demografischen Wandel und eine Ansprechbarkeit vor Ort, so Voigt. "Wir haben uns darüber ausgetauscht, wo wir voneinander lernen können und wo Vernetzung möglich ist." Anlässlich des 30. Jubiläums des Staatskirchenvertrags zwischen dem Freistaat Thüringen und dem katholischen Bistum Erfurt im nächsten Jahr sei zudem eine gemeinsame Reise mit Bischof Ulrich Neymeyr nach Rom geplant, sagte Voigt. Ein Audienztermin beim Papst solle angefragt werden.
Verabredet wurde zudem, die Kirchen in ländlichen Gebieten des Freistaats stärker in die Dorfgemeinschaften einzubinden. Voigt sagte, er könne sich etwa Dorfgemeinschaftsräume in wenig genutzten Kirchen vorstellen.
Voigt gegen Abschaffung der Staatsleistungen
Der Ministerpräsident wies zudem Forderungen nach einer Abschaffung der Staatsleistungen an die Kirchen, wie sie etwa die AfD stellt, deutlich zurück: "Das würde den Freistaat schwächen." Die evangelische Kirche in Thüringen erhielt in diesem Jahr 23,8 Millionen Euro und die katholische 7,3 Millionen Euro. Es handelt sich dabei um Ausgleichszahlungen des Staates. Es ist eine Entschädigung dafür, dass 1803 viel Kirchenbesitz enteignet und verstaatlicht wurde.
Der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sprach von einem fruchtbaren Austausch über die Frage nach Frieden in der Welt oder die ethischen Herausforderungen bei der Nutzung von KI. Mit Blick auf die Migration hoben beide Kirchenvertreter die Rolle der Kirchen bei der Integration hervor. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass Menschen aus anderen Ländern sich in ihrem sozialen Umfeld wohlfühlten, betonte der Bischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr. In den Gemeinden gebe es Angebote für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen - etwa Gottesdienste mit ihren Liedern und Traditionen, interkulturelle Gemeindefeste sowie eine stärkere Berücksichtigung verschiedener kultureller Hintergründe in Kindergärten.
Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer ergänzte: "Wir freuen uns, dass das Staat-Kirchen-Verhältnis so gut und vertrauensvoll ist und wir sehr offen miteinander reden können." Es sei wichtig, trotz der schwierigen politischen Situation gute Politik für die Bevölkerung zu machen. "Darin unterstützen wir die Landesregierung", so Kramer.
Hintergrund
In Thüringen liegen die Kirchengebiete des Bistums Erfurt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sowie Teile der Bistümer Dresden-Meißen und Fulda sowie der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Landeskirche Sachsen. Von den rund 2,1 Millionen Bürgerinnen und Bürgern im Freistaat sind etwa 20 Prozent evangelisch und gut sechs Prozent katholisch; rund 70 Prozent sind konfessionslos.
Autor:Online-Redaktion |
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