Wahl in Sachsen-Anhalt
Kirchen in Sorge nach AfD-Wahlsieg

Mehrere Tausend Menschen sind am Samstag (05.09.2026), einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, auf die Strasse gegangen. In der Landeshauptstadt Magdeburg fanden acht angemeldete Versammlungen sowie zahlreiche weitere Spontanversammlungen statt. | Foto: epd-bild/Paul-Philipp Braun
  • Mehrere Tausend Menschen sind am Samstag (05.09.2026), einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, auf die Strasse gegangen. In der Landeshauptstadt Magdeburg fanden acht angemeldete Versammlungen sowie zahlreiche weitere Spontanversammlungen statt.
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Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt wollen die Kirchen die Politik der AfD in dem Bundesland kritisch begleiten und «nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen verletzt, unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt oder der Rechtsstaat ausgehöhlt wird».

Magdeburg/Hannover (epd). Die Kirchen in Sachsen-Anhalt haben sich nach dem Wahlsieg der AfD besorgt zur Zukunft des Landes geäußert. In einer am Montag in Magdeburg verbreiteten gemeinsamen Pressemitteilung der leitenden Geistlichen heißt es, diese Landtagswahl habe die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend verändert: „Das Land ist gespalten.“

Das Wahlergebnis werde „mit großer Sorge zur Kenntnis“ genommen. Es zeige eine große Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. „Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, schreiben der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, und Kirchenpräsident Karsten Georg Wolkenhauer von der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Kramer betonte: „Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen.“ Feige appellierte „an die Wahlsieger, die Verfassung unseres Landes wie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten“. Wolkenhauer kündigte an, „einer Spaltung der Gesellschaft, der Schwächung demokratischer Institutionen und Einschränkung von Freiheitsrechten“ entschieden entgegenzutreten. In Sachsen-Anhalt leben rund 235.000 evangelische und 66.000 katholische Christinnen und Christen.

Dem vorläufigen Ergebnis zufolge erreichte die AfD bei der Wahl am Sonntag 43,8 Prozent der Stimmen. Außerdem sind die CDU, die SPD, die Grünen, die Linke und das BSW im künftigen Landtag vertreten. Die Mehrheit der Sitze im Parlament erreichte die AfD nicht.

Fehrs: Würde aller Menschen

Auch die christlichen Kirchen in Deutschland haben nach dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt ihre Sorge um den sozialen Frieden und das Miteinander in dem Bundesland geäußert. «Wir fordern die Wahlsieger auf, die Landesverfassung sowie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Lebensweise, Leistung oder Position zu wahren», heißt es in einer am Montag veröffentlichen gemeinsamen Stellungnahme der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sowie des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Reverend Christopher Easthill.

Zum Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt als mit deutlichem Abstand stärkste Partei erklärten die Spitzen der christlichen Kirchen in Deutschland: «Schlimme Befürchtungen sind wahr geworden, aber das Ergebnis ist zu akzeptieren.» Die Kirchen seien der Botschaft des Evangeliums und dem christlichen Menschenbild verpflichtet. «Aus dieser Verpflichtung heraus werden wir das politische Handeln der künftigen Landesregierung genau beobachten und kritisch begleiten», hieß es.

Easthill: «Vertrauensverlust ist ernst zu nehmen»

«Wir werden nicht wegsehen und wir werden nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen verletzt, unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt oder der Rechtsstaat ausgehöhlt wird», fügten die Hamburger Bischöfin Fehrs, der Münsteraner Bischof Wilmer und der anglikanische Theologe Easthill hinzu: «Denn immer geht es um Menschen, die unter Druck geraten, bedroht oder ausgegrenzt werden. Wir werden auch weiterhin alles, was unsere Demokratie trägt, unterstützen und zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen.»

Das Landtagswahlergebnis vom Sonntag zeige, «wie groß die Unzufriedenheit und der Vertrauensverlust ist. Das ist ernst zu nehmen», räumen Fehrs, Wilmer und Easthill ein. Unverändert bleibe aber, wie viele hunderttausend Menschen sich in «Sachsen-Anhalt und bundesweit Tag für Tag umeinander kümmern, Verantwortung übernehmen und unser Gemeinwesen tragen».

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Online-Redaktion

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