Morgenimpuls
Am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Foto: Foto: S. Kranich

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Was für ein Lehrtext am heutigen Tag, dem Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt! Aber nicht nur für heute.

Als ich ihn zu Pfingsten 1984 von meinem Vater als Konfirmationsspruch zugedacht bekam, hat er mich erst nicht sonderlich interessiert. Ich kann mich jedenfalls beim besten Willen nicht daran erinnern, dass er mich an diesem wunderbaren Festtag sehr bewegt hätte.
Im Nachhinein aber habe ich recht bald begriffen und zunehmend lernen müssen, was mein Vater oder meine Eltern mir als Dresdner Pfarrerskind in der Mitte der 1980er Jahre damit sagen und was sie mir mitgeben wollten.

Und heute, am 6. September 2026, blicke ich erneut bewusst auf diesen Spruch, der doch alltäglich in meinem Büro hängt. Und er passt immer noch – nein um genau zu sein, er passt wieder! Und das ist kein Grund Jubeln. Denn nach der Herbstrevolution 1989 hätte ich nicht gedacht, dass er – in dieser Weise – je wieder aktuell sein würde.
Wie immer diese Wahl heute ausgehen mag: Seit Monaten erleben wir, wie die mitteldeutsche evangelische Landeskirche und die katholische Kirche als „Kirchensteuerkirchen“ diffamiert und lächerlich gemacht werden. Und das hinterlässt Spuren.

Bereits zu Jahresbeginn hat Landesbischof Friedrich Kramer angesichts der AFD-Propaganda geäußert: „Wir kennen das ja aus der DDR-Zeit, dass Christen, insbesondere die Kirchenleitung angegriffen, verhöhnt und verspottet werden.“ Und weiter: Die AFD müsse sich fragen lassen, „ob sie sich hier in die Tradition der SED stellen will“.

Doch wie auf deren – Zitat Friedrich Kramer – „Kirchenfeindschaft und Zerstörungswut“ reagieren? Mit heller Aufregung? Mit demonstrativer Gelassenheit? Mit deutlicher Gegenwehr?
Das alles und noch mehr haben wir in den letzten Monaten im Raum der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erlebt, vieles debattiert und auch vieles getan. Und das mehr und mehr auch vor den Augen des gesamtdeutschen kirchlichen wie politischen Öffentlichkeit. So blickt die EKD in Hannover heute genauso angespannt nach Magdeburg wie die Politik in Berlin.

„Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen!“ Ausgerechnet dieses Jesaja-Wort ist uns für heute zugelost worden.
Zufall oder Fügung? Auf jeden Fall Herrnhuter Losungs- und Losglück. Denn ganz gleich, wie die Wahl heute ausgeht: Wir werden damit daran erinnert, dass wir im Osten schon einiges gewöhnt sind. Und wir werden damit gestärkt in der Gewissheit, dass uns nach den Braunen und den Rot-Braunen auch die Blauen nicht kleinkriegen werden.

Nicht, weil wir keine Schwächen hätten und unverletzlich wären. Sondern weil Gott uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben hat, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Akademiedirektor Pfarrer Dr. Sebastian Kranich

Autor:

Dr. Sebastian Kranich, Ev. Akademie Thüringen

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