Religionsunterricht: Mehr Kooperation nötig
Hartnäckige Eltern gefragt

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Eine neue Studie des Pädagogisch-Theologischen Instituts (PTI) blickt zurück auf 30 Jahre Religionsunterricht in Thüringen. Über die Erfahrungen und Perspektiven für das Fach sprach Beatrix Heinrichs mit Michael Domsgen, Professor für Religionswissenschaften an der Universität in Halle.

Die Zahl der getauften Kinder nimmt ab. Inwieweit kann der Religionsunterricht der Säkularisierung der Gesellschaft entgegenwirken?
Michael Domsgen: Mit dem Entgegenwirken ist das so eine Sache. Das ist eher schwierig. Aber der Religionsunterricht kann und muss sich darauf einstellen. Es sind vor allem zwei Dinge, die mir wichtig erscheinen: Zum einen geht es darum, ernst zu nehmen, dass religiöses Lernen heute nicht mehr selbstverständlich ist und deshalb Anreize, Ermutigung und Unterstützung braucht. Zum anderen sollte Religionsunterricht nicht nur für religiöse sozialisierte Schüler gewinnbringend sein, sondern gleichermaßen auch für konfessionslose.

In der Vergangenheit wurden Forderungen nach Ersatzfächern laut. Warum sollte der Religion ein eigenständiges Schulfach bleiben?
Weil Religionen eine eigene Logik haben, die man nur verstehen kann, wenn man auch die Innenperspektiven einbezieht. Nur von außen auf die Religionen zu schauen, reicht nicht, um sie wirklich zu verstehen.

In den Klassen gibt es eine immer größere religiöse und weltanschauliche Diversität. Braucht es in Zukunft mehr Kooperation?
Davon bin ich überzeugt. Religionsunterricht sollte kooperativ sein. Zum einen mit Blick auf den Religionsunterricht der anderen Konfession und – so es ihn gibt – auch mit Blick auf den Religionsunterricht einer anderen Religion. Zum anderen sollte er mit dem Ethikunterricht kooperieren. Auf diese Weise können die Beteiligten besser lernen, mit Unterschieden umzugehen, ohne sie einebnen zu müssen.

Lehrkräfte mit Religion als Zweit- oder Drittfach werden aufgrund des Personalmangels an den Schulen häufig in ihren Kernfächern eingesetzt. Mit welchen Strategien begegnet man dieser Situation in Mitteldeutschland?
Auf Seiten der Kirchen sind die Möglichkeiten begrenzt, weil der Einsatz der Lehrkräfte Ländersache ist und letztlich in den einzelnen Schulen geregelt wird. Die Kirchen können nur immer wieder auf Missstände in dieser Richtung hinweisen, müssen dabei aber auch im Blick haben, dass die Unterrichtsversorgung insgesamt zu gewährleisten ist. Letztlich könnten Eltern hier mehr erreichen, indem sie das Gespräch mit der Schulleitung suchen und dabei, freundlich, aber durchaus hartnäckig nachfragen, warum es keinen Religionsunterricht gibt, oder er nur noch einstündig erteilt wird.

Die Studie wird am 21. Oktober im Landeskirchenamt der EKM vorgestellt. Infos und Anmeldung per E-Mail an:
georg.funke@thillm.de

Michael Domsgen
Autor:

Online-Redaktion

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