Adventsbräuche
Fasten mit Lebkuchen und Stollen

In der Adventszeit essen wir besonders viele Süßigkeiten, wie hier Lebkuchenherzen.  | Foto: moofushi – stock.adobe.com
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Butterplätzchen, Vanillekipferl, Zimtsterne, Spekulatius, Dominosteine. In der Advents- und Weihnachtszeit nehmen viele zu, im Schnitt zwischen 500 Gramm und einem Kilo. Das war nicht immer so. Früher war der Advent eine Fastenzeit.

Von Willi Wild

Obwohl er gegen das Fasten polemisiert hat, soll Luther viel gefastet haben. So dass ihn seine Frau Katharina oftmals zum Essen habe drängen müssen, weiß Regionalbischof Johann Schneider. Der Reformator kritisierte einst, dass das Fasten als gutes Werk missverstanden werde, mit dem man Gott gnädig stimmen könne. Es habe damals einen regelrechten Wettbewerb gegeben, wer nun am besten fasten könne, so Schneider.

Dabei hat das Fasten einen anderen Hintergrund. In allen Religionen ist es eine gängige Vorbereitungspraxis auf ein großes Ereignis. „Die Übung des Fastens wird vom Ziel her gedacht“, sagt der promovierte Theologe. Fasten und Beten gehören zusammen. Das sei schon im alten Judentum so gewesen. Die Juden fasten immer vor einem Fest, beispielsweise auch am Freitag, in Vorbereitung auf den Schabbat. „Die orthodoxen Kirchen rezipieren diese jüdische Fastentradition“, so der Orthodoxie-Experte Schneider. In den Ostkirchen spricht man von der Philippus-Fastenzeit, die am Gedenktag des Apostels, am 15. November, beginnt und am 1. Weihnachtsfeiertag endet. Diese Praxis ist seit dem 4. Jahrhundert bekannt.

In den orthodoxen Kirchen sind beim Adventsfasten generell Fleisch, Milchprodukte und Eier nicht erlaubt. Fisch, Wein und Öl dürfen samstags und sonntags zu sich genommen werden. Wein und Öl dienstags und donnerstags. Montags, mittwochs und freitags allerdings stehen nur gedünstetes Gemüse, Kartoffeln oder Brot auf dem Speiseplan. Sexuelle Enthaltsamkeit gilt für die gesamte Fastenzeit.

Der Lebkuchen, im Mittelalter in einem Kloster in Belgien erfunden, war ursprünglich eine Fastenspeise im Advent. Er bestand aus Honigkuchenbrot, das mit Gewürzen bestrichen war und den Mönchen als Nahrung diente. Honig wurde eine heilende Wirkung zugeschrieben, was ihn zu einer geeigneten Zutat für die adventliche Fastenzeit machte.

Auch der Stollen war einst ein schlichtes adventliches Fastengebäck aus Mehl, Wasser und Hefe. Zur Kalorienbombe wurde er, nachdem die sächsischen Kurfürsten den Papst baten, das Butter- und Milchverbot für die Adventsfastenzeit aufzuheben. Der "Butterbrief" von 1491 machte den Stollen dann zu einer reichhaltigen Fastenspeise. Die erste urkundliche Erwähnung als Weihnachtsgebäck findet sich nicht in Dresden, sondern in Naumburg und stammt aus dem Jahr 1329. Die Form soll angeblich das in Windeln gewickelte Jesuskind symbolisieren.

Die strenge Fastenzeit des Advents hat historisch eine große Bedeutung, ist aber heutzutage nicht mehr in unseren Kirchen präsent. Anstelle des Verzichts auf Nahrungsmittel geht es mehr um innere Einkehr, Besinnung und Vorbereitung auf das bevorstehende Christfest. Initiativen wie „Der andere Advent“ greifen den ursprünglichen Gedanken des Adventfastens wieder auf.

Fasten liegt im Trend und ist für die meisten Menschen sinnvoll, wobei der Trend insbesondere bei jüngeren Menschen stark ist. Eine Rolle spielen dabei die sozialen Medien. Für manche, die sich darauf einlassen, dürfte aber nicht der religiöse Aspekt im Vordergrund stehen, sondern eher die persönliche Herausforderung.

Laut der Schweizer Religionssoziologin Isabelle Jonveaux kann dieses Interesse unterschiedlich interpretiert werden. «Es gibt viele Ansätze, um zu sich selbst zu finden, wieder eine gesunde Lebensweise anzunehmen, das Tempo zu verlangsamen und sich möglicherweise auch selbst zu übertreffen.»

Für Johann Schneider ist die Verbindung von Fasten und Beten eine Grundübung des Glaubens. „Fasten ist hilfreich, aber es ist kein Zwang oder eine Pflicht. Es ist vielmehr eine Übung, um mit Gott in Kontakt zu bleiben.“ Die, die fasten, seien keine besseren Christen. In der orthodoxen Osternacht heißt es deshalb, dass alle die neue Speise empfangen sollen. Das schließt auch die ein, die nicht gefastet haben.

Ob und wie er selber fastet, will Schneider nicht an die große Glocke hängen. In Siebenbürgen, wo er aufgewachsen ist, hieß es: "Macht alles, was der Pfarrer sagt, nicht was er tut."

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Willi Wild

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