Gedenken an die Befreiung des KZ Buchenwald
Erinnern für die Zukunft

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In Weimar und auf dem Ettersberg ist am Sonntag an die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 76 Jahren erinnert worden. Die KZ-Überlebenden sehen mit Sorge die Rückkehr von Hass und Hetze auf den Straßen.

Von Markus Geiler

Im Deutschen Nationaltheater Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald ist am Sonntag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 76 Jahren gedacht worden. An dem Gedenken nahmen neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und die Thüringer Landtagspräsidentin Birgit Keller (beide Linke) teil. Es wurde per Livestream übertragen, damit auch den Überlebenden und ihren Angehörigen weltweit in Zeiten der Pandemie eine Teilnahme möglich war.
Buchenwald stehe für Rassenwahn, Folter, Mord und Vernichtung und lebe in vielen europäischen Familien bis heute fort, sagte der Bundespräsident. Mit seiner Vielzahl von Opfergruppen stehe das Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar für die gesamte Barbarei der Nazis, für einen aggressiven Nationalismus nach Außen, für Diktatur und Unterdrückung im Innern, und für ein völkisches Denken.
Es sei nicht allein die Zahl der mindesten 56.000 Toten, die in dem Lager umkamen, es seien die Umstände, unter denen Menschen in Buchenwald entrechtet und ausgebeutet, gequält und getötet worden sind, die den Schrecken dieses Ortes ausmachten, sagte Steinmeier. "Es ist die Umkehr aller Werte, die Perversion des Rechts, der Moral und der Menschlichkeit", sagte der Bundespräsident.
Es sei die nationalsozialistische Diktatur gewesen, die für grausamste Verbrechen und Völkermord verantwortlich war. Aber: "Aber es waren Menschen, Deutsche, die anderen Menschen das antaten", so der Bundespräsident.
Der Thüringer Ministerpräsident sagte, Deutschland erlebe zunehmend geschichtsrevisionistische Angriffe auf seine Geschichtskultur: "Wir müssen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Das sind wir den Opfern schuldig, das sind wir uns schuldig."

Landtagpräsidentin Keller betonte, die authentischen Erfahrungsberichte, klugen Mahnungen und feinen Freiheitssensoren der Überlebenden prägten noch heute das demokratische Immunsystem ganzer Generationen.
Es dürfe nicht unwidersprochen bleiben, wenn heute Judensterne auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen getragen werden, "wenn diese Menschen unsere Demokratie verächtlich machen".
Auch die Botschaften der per Video zugeschalteten hochbetagten Überlebenden des Lagers waren von der Sorge vor neuer Ausgrenzung und Hetze bestimmt. Es sei unerträglich, dass auf den Straßen wieder Rassisten und Antisemiten lautstark aufmarschieren, sagte der Vorsitzende des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora (IKBD) Dominique Durand.
Das wichtigste, was man für die Gesellschaft tun könne, sei, den Hass aus dem gesellschaftlichen Leben zu verbannen, sagte Éva Fahidi-Pusztai aus Budapest: "Reden muss ich vor allem für die Jugendlichen, die keine solchen Erfahrungen gemacht haben."
"Wir, die letzten Überlebenden der Hölle, sind in die Jahre gekommen", sagte der Überlebende Naftali Fürst aus dem israelischen Haifa: "Wir überwanden die Hürden des Lebens, und nun stehen wir am Ende unseres Weges."
Im vergangenen Jahr mussten die Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds wegen der Corona-Pandemie ausfallen. In dem KZ waren bis April 1945 fast 280.000 Menschen inhaftiert, im Außenlager Dora etwa 60.000 Häftlinge aus 48 Nationen.

epd

www.buchenwald.de
https://liberation.buchenwald.de/

Autor:

Online-Redaktion

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