Sachsens Ministerpräsident trifft Papst
Ein besonderer Termin

Der katholische Papst Franziskus hat Sachsens evangelischen Regierungschef zu einer Privataudienz empfangen. Zuvor mahnte Kretschmer bei seinem Aufenthalt in Rom ein konsequentes Vorgehen bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche an.

Von Katharina Rögner

Eine Rom-Reise führt die meisten zwangsläufig auf den Petersplatz. Dort, zwischen den breiten Kolonnaden, entfaltet sich das riesige Oval vor einer der größten Kirchen der Welt. Im Petersdom, der Basilika „San Pietro in Vaticano“ finden Tausende Menschen Platz.

Für Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ging es bei seiner Rom-Reise sogar ins Zentrum des Vatikans: Er wurde am Freitag von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen. Er freue sich darauf, diese beeindruckende Persönlichkeit kennenzulernen, hatte er kurz zuvor gesagt. Dies sei „ein besonderer Termin“. Das Vier-Augen-Gespräch dauerte dann auch nicht nur 20 Minuten wie üblich, sondern 45 Minuten. Es sei in einer sehr konzentrierten Atmosphäre verlaufen, betonte Kretschmer im Anschluss.

Themen seien der Krieg in der Ukraine und der „Synodale Weg“ für Reformen in der katholischen Kirche gewesen, auch Fragen der Umweltpolitik. „Es war ein sehr bewegendes Gespräch mit dem Heiligen Vater“, sagte der CDU-Politiker und bekennende Protestant. Er habe den Papst trotz aller gesundheitlichen Einschränkungen als einen „sehr bescheidenen, aber aufgeweckten Menschen mit einem schönen Humor“ erlebt, mit einer „großen Kraft und einem Willen, Dinge zu gestalten“.

Die bisherigen Wortmeldungen des Heiligen Vaters zum Ukrainekrieg seien „an Eindrücklichkeit und Eindringlichkeit nicht zu überbieten“, sagte Kretschmer. Es brauche viel mehr Akteure, die den Frieden suchen, so habe es der Papst gesagt. Dem könne er nur zustimmen.

Bei Franziskus beeindrucke ihn vor allem, dass er Mut mache, sagte Kretschmer. Gerade auch der jungen Generation gebe er Hoffnung und begeistere sie dafür, sich in der Gesellschaft zu engagieren, etwa bei den Themen Umweltschutz und Klimawandel. Letzteres spürte die sächsische Delegation bei ihrem Besuch in Rom nur allzu sehr, eine Hitzewelle ließ Pressestatements zu saunaähnlichen Momenten werden.

Anlass der Reise ins Zentrum der katholischen Kirche war der 100. Jahrestag der Wiedererrichtung des katholischen Bistums Dresden-Meißen, das mit rund 137.000 Gläubigen eines der kleinsten in Deutschland ist. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum 2021 waren wegen der Corona-Pandemie quasi ausgefallen.

Der Bischof des Bistums, Heinrich Timmerevers, war Teil der sächsischen Delegation in Rom, konnte jedoch nicht an der Papstaudienz teilnehmen. Das päpstliche Protokoll sieht bei Besuchen die Trennung von Kirche und Staat vor. Deshalb war eine gemeinsame Audienz mit dem Ministerpräsidenten nicht möglich.

Timmerevers wird nun noch einmal nach Rom reisen und am kommenden Freitag ein Gespräch mit dem Papst wahrnehmen. Auf dem Programm des Ministerpräsidenten in Rom stand zudem die europäische Verständigung. Sachsen und die Region Latium um die italienische Hauptstadt haben eine Arbeitsgruppe gegründet. Sie wollen konkrete Projekte voranbringen, etwa in der Gesundheitsversorgung, der Denkmalpflege und der Kultur.

Kretschmer traf zudem den Jesuitenpater Hans Zollner zu einem Gespräch über die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Zollner ist Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen und Direktor des Safeguarding-Instituts der Universität Gregoriana (IADC). Er kritisiert den zögerlichen Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland. Die Verantwortlichen hätten „noch immer nicht begriffen, dass es sich um eine Zukunftsfrage handelt“, sagte er. Zugleich mahnte er mehr Transparenz an. Es müsse alles „auf den Tisch“.

Kretschmer forderte im Umgang mit Tätern sexuellen Missbrauchs ein konsequentes Vorgehen. „Das A und O bei Verfehlungen ist, dass man sich dem stellt und richtige Konsequenzen folgen“, sagte er. Ein Lehrer, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, könne nicht mehr in seinem Bereich arbeiten, ein Kindergärtner oder Trainer auch nicht. Das müsse für alle anderen Bereiche auch gelten, auch für die Kirchen.

In der Aufarbeitung sei „eine klare Linie, eine Null-Toleranz-Strategie“ geboten, sagte Kretschmer. Die katholische Kirche sei unverzichtbar für den Zusammenhalt der Gesellschaft, betonte er zugleich. Es sei generell wichtig, „dass die Kirchen sich sammeln, dass sie sich gemeinsam auf einen ökumenischen Weg aufmachen und auch Gesellschaft prägen“.

(epd)

Autor:

Online-Redaktion

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