EKD-Synode
Der Glaube junger Menschen

Missbrauch und Jugendarbeit stehen im Zentrum der 5. Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg. Womit sich die Synode beschäftigen wird:

Von Benjamin Lassiwe

Es ist nicht das Hauptthema der diesjährigen Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Aber es wird das Thema sein, das die meiste öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wird: Wenn sich das evangelische Kirchenparlament vom 11. bis 14. November im bayerischen Würzburg trifft, werden die Bemühungen der evangelischen Kirche um Prävention und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs eine prominente Rolle spielen. Das kündigte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer am Montag in Berlin an.
Vor Journalisten berichtete sie über Pläne einer systematisierten Aufarbeitung möglicher Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche. Allerdings: So wie bei den Katholiken, wo man in einer Studie die Personalakten aller Priester und Diakone untersuchte, wird es wohl nicht geschehen. Denn die evangelische Kirche unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der katholischen: Pfarrer dürfen heiraten, in Pfarrhäusern lebten sie oft mit ihrer Familie zusammen – und kein Bischof kann einfach so einen Pfarrer in eine neue Gemeinde versetzen, denn bei der Besetzung von Pfarrstellen haben Gemeinden ein Mitspracherecht.
»Die Strukturen und das Leben in der evangelischen Kirche sind an vielen Stellen anders, damit erwachsen andere Risiken«, sagte Schwaetzer. »Eine Aufarbeitung nur bei Pfarrerinnen und Pfarrern ist nicht zielführend.« Vielmehr müssten in die Untersuchung alle in den evangelischen Landeskirchen beschäftigten Haupt- und Ehrenamtlichen einbezogen werden. »Wir müssen sehen, in welchen Strukturen Schutzbedürftige möglichen Übergriffen ausgesetzt sind.«
Dies könne in sehr vielen Lebenssituationen der Fall gewesen sein. Verdrängen jedenfalls wollen die Protestanten das Thema nicht – auch wenn viele Landeskirchen bislang deutlich weniger in Sachen Prävention unternommen haben als die stärker betroffene katholische Kirche. Hier wolle sich das Kirchenparlament Bericht erstatten lassen. »Die Synode wird sich aber ganz sicher der Schuld stellen, die die EKD bei diesem Thema auf sich geladen hat.«
Daneben wird sich die EKD auf ihrer Synodaltagung schwerpunktmäßig mit dem Glauben junger Menschen beschäftigen: Untersuchungen hätten ergeben, dass es eine große Distanz zwischen »uns älteren Kirchenmitgliedern und der Art, wie wir unseren Glauben leben« und der jungen Generation gebe, sagte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer. »Es ist wichtig, dass wir sehr genau gucken und wahrnehmen: Was und wie glauben junge Menschen?« Oft würden junge Menschen eine sehr persönliche Verantwortung in Bezug auf die Wahrung der Schöpfung und für das Gemeinwesen wahrnehmen.
Zudem soll es in Würzburg um das weitere Vorgehen der EKD beim Thema Digitalisierung gehen, und auch aktuelle Entwicklungen des kirchlichen Arbeitsrechts stehen auf dem Programm des Kirchenparlaments. So hat die Gewerkschaft »verdi« eine Demonstration nach dem Eröffnungsgottesdienst des Kirchenparlaments angekündigt. Zudem wird während der Tagung ein neuer Vizepräses oder eine neue Vizepräses als Ersatz für den ausgeschiedenen rheinischen Theologen Klaus Eberl gewählt.
Und bereits vor Beginn der EKD-Synode wird die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) einen neuen Leitenden Bischof wählen, der dann als Nachfolger des Nordkirchenbischofs Gerhard Ulrich die wichtigste Stimme der Lutheraner in Deutschland wird.

Die Synode berät und beschließt über Angelegenheiten der EKD. Dazu gehören Kirchengesetze, wie zum Beispiel Haushalt und Datenschutz, sowie Vorlagen des Rates und der Kirchenkonferenz. Die Synode der EKD kommt in der Regel einmal im Jahr an wechselnden Orten zu einer mehrtägigen öffentlichen Tagung zusammen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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