Der Generationensprung

Digitale Synode: Vom EKD-Kirchenamt in Hannover aus leitete das Präsidium die konstituierende Tagung. Die frischgewählte Präses Anna-Nicole Heinrich (r.) war per Video zugeschaltet. Ihre Vorgängerin Irmgard Schwaetzer (l.) übergab ihr das Ehrenamt.
  • Digitale Synode: Vom EKD-Kirchenamt in Hannover aus leitete das Präsidium die konstituierende Tagung. Die frischgewählte Präses Anna-Nicole Heinrich (r.) war per Video zugeschaltet. Ihre Vorgängerin Irmgard Schwaetzer (l.) übergab ihr das Ehrenamt.
  • Foto: epd-bild/Jens Schulze
  • hochgeladen von Kirchenzeitungsredaktion Evangelische Landeskirche Anhalts

Jung und digital: Die EKD-Synode hat die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich in das Amt der Präses gewählt. Sie folgt auf die 79-jährige frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer im höchsten evangelischen Laienamt, das dem einer Parlamentspräsidentin entspricht.

Von Benjamin Lassiwe

Wie verdammt mutig ist eine Kirche, die eine junge Frau in so ein Amt wählt“, sagte Anna-Nicole Heinrich nach ihrer Wahl. Tatsächlich hatte die Regensburgerin allerdings bereits reichlich Gelegenheiten, die EKD von ihren Fähigkeiten zu überzeugen: Schon in der letzten Legislaturperiode der Synode gehörte sie als Jugenddelegierte ohne Stimmrecht dem "Kirchenparlament" an. Engagiert war sie dort unter anderem im Z-Team, das das jüngste Zukunftspapier, die elf Leitsätze zur Zukunft der Kirche, für die EKD entwickelte.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Aufgewachsen ist Heinrich in Nittenau bei Regensburg, und zwar in einer nicht-christlichen Familie, die nach der Wende von Thüringen nach Bayern gezogen war. Zum Glauben kam sie durch den Religionsunterricht an der Grundschule, als Kind ließ sie sich aus eigener Entscheidung taufen. „Meine Mutter hat sich damals mittaufen lassen, aber nie wirklich Halt gefunden“, sagt Heinrich.

Ältere Gemeindemitglieder hätten sie damals zum Gottesdienst abgeholt, über die Jugendarbeit sei sie in die Kirche hineingewachsen – was in einem Ort, in dem der Anteil der Evangelischen bei circa vier Prozent liegt, besonders prägte. "Das hat mich durchaus im Glauben gestärkt", sagt Heinrich. "Man wird in so einer Situation viel öfter angefragt, über seinen Glauben Auskunft zu geben."

Heute wohnt Heinrich in Regensburg, in einer WG, zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls Mitglied der Synode ist. Als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitet sie bei der stellvertretenden Frauenbeauftragten der Universität, der katholischen Theologin Professor Ute Leimgruber.

In der Vergangenheit waren es vor allem Politiker, die in das Präsesamt gewählt wurden, etwa Katrin Göring-Eckardt (Grüne) oder der frühere Bundesminister Jürgen Schmude (SPD). Von ihrer Bekanntheit und ihren Erfahrungen konnte die Kirche profitieren. Heinrich muss sich dagegen vieles noch erarbeiten. Dabei kann sie auf die Unterstützung ihrer Stellvertreter bauen. Die Greifswalder Pädagogin Elke König und der Superintendent der Lippischen Landeskirche, Andreas Lange, gehörten bereits dem Präsidium der Vorgänger-Synode an.

Ratsbericht

Neben der Wahl der Präsidiums stand der Bericht des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm auf der Tagesordnung: Darin äußerte er sich etwa zur aktuellen Debatte um die Suizidassistenz. „Als Kirche begleiten wir Sterbende auf ihrem letzten Weg unabhängig davon, wie dieser aussieht“, sagte Bedford-Strohm. „Eine kirchlich-diakonische Einrichtung sollte sich aber nicht selbst an der Organisation und Durchführung der Suizid-assistenz beteiligen.“ Die Kirche müsse für die Ermöglichung des Lebens stehen. „Profilieren muss sie sich durch liebevolle Begleitung, optimale palliative Fürsorge und gute Seelsorge, nicht aber durch Sterbehilfe!“

Beim Thema sexueller Missbrauch zeigte der Ratsvorsitzende zudem „ausdrückliche Offenheit“ für eine staatliche „Enquete-Kommission“ zu diesem Thema, und kündigte an, mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung zu einer Vereinbarung zum weiteren Vorgehen bei der Aufarbeitung kommen zu wollen.

Zudem setzte sich die Synode mit einem Antrag für die Situation der Kinder und Jugendlichen in der Pandemie ein: Die Synodalen baten die politisch Verantwortlichen, zusätzliche Fonds und Regelungen zu schaffen, die Kindern und Jugendlichen sowie Familien dabei helfen sollen, die Pandemiefolgen zu bearbeiten. Die Kirche wurde aufgefordert, auf allen Ebenen die Teilhabe junger Menschen zu stärken und „trotz der unsicheren Situation“ neue Angebote für junge Menschen zu entwickeln.

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