Wie stehen die Parteien zu den Kirchen?
Lob für christliches Engagement

Der Landtag am Magdeburger Domplatz ist das Ziel aller Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt. | Foto: Thomas Nawrath
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Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September sind auch die Kirchen Thema der Politik. Gelobt wird zumeist das Engagement aus christlicher Überzeugung - nur die AfD kritisiert "zu viel Politik" vonseiten der Kirchen.

Von Thomas Nawrath

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag stehen auch die Kirchen im Fokus der Wahlkämpfer. Erst am Montag hatte der evangelische mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer im TV-Nachrichtensender Phoenix kritisiert, dass die AfD den Kirchen sagen wolle, „wer die richtigen Kirchen sind, wie wir uns zu verhalten haben, was das Evangelium ist“.

Allerorten werben die Parteien für ihre Positionen - auch vor der geschichtsträchtigen Johanniskirche in Magdeburg. | Foto: Thomas Nawrath
  • Allerorten werben die Parteien für ihre Positionen - auch vor der geschichtsträchtigen Johanniskirche in Magdeburg.
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Aus anderen Parteien wird das kirchliche Engagement gewürdigt. Die religionspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Juliane Kleemann, betont, dass die Kirchen „vielfältige Arbeit“ leisteten und „ein breit gefächertes Engagement“ in der Gesellschaft zeigten. Dies gelte „sowohl im sozialen und kulturellen Bereich als auch bei der Gestaltung der Demokratie“.

„Zum Wohle aller Menschen“

Stephen G. Stehli von der CDU sagt, er schätze auch „die umfassende Tätigkeit der Kirchen“ im Land „zum Wohle aller Menschen“. Für den Co-Vorsitzenden der Bündnisgrünen in Sachsen-Anhalt, Dennis Helmich, spielen „Kirchen eine wichtige Rolle und sorgen für eine Angebotsvielfalt“ auch bei sozialen Dienstleistern. Und die FDP unterstreicht, auch „an der Förderung der Schulen in kirchlicher Trägerschaft“ keine Abstriche machen zu wollen.

Eine gänzlich andere Position vertritt der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Hans-Thomas Tillschneider. „Aktuell wird in der Kirche viel zu viel Politik gemacht, in der Politik aber findet man kein Christentum mehr“, sagt er: „Das ist ein völlig verkehrtes Verhältnis.“ Politik habe in der Kirche nichts verloren. Seiner Einschätzung nach gebe es gegenwärtig eine „Abhängigkeit der Kirchen vom Staat“, was „dem Christentum nicht gut“ tue.

"Christen fragen Politiker" hieß ein Wahlforum im August - bei dem u. a. SPD-Politikerin Juliane Kleemann (4. von links) und AfD-Mann Hans-Thomas Tillschneider (2. von rechts) die kirchenpolitischen Positionen ihrer Parteien erläuterten. | Foto: Thomas Nawrath
  • "Christen fragen Politiker" hieß ein Wahlforum im August - bei dem u. a. SPD-Politikerin Juliane Kleemann (4. von links) und AfD-Mann Hans-Thomas Tillschneider (2. von rechts) die kirchenpolitischen Positionen ihrer Parteien erläuterten.
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Bund bei Staatsleistungen gefordert

Die evangelischen und katholischen Landeskirchen erhalten für die Verstaatlichung von Grund und Boden vor mehr als 200 Jahren, aber auch für Enteignungen im Zuge der Bodenreform in Ostdeutschland nach 1945 von den Ländern vertraglich geregelte Staatsleistungen. Diese wollte AfD-Mann Tillschneider ersatzlos streichen. Doch mit dieser Position konnte er sich in der eigenen Partei nicht durchsetzen.

Stattdessen will die AfD nun, dass die Leistungen „auf aktuellem Stand eingefroren und an alle Kirchen im Verhältnis ihrer Mitglieder ausgereicht“ werden, betont Tillschneider. Somit würden „die großen Kirchen etwas an kleine Kirchen abgeben müssen“.

Eine Flut von Plakate, Flyern und Mediuenbeiträgen prasselt auf die Bürger in Sachsen-Anhalt ein. | Foto: Thomas Nawrath
  • Eine Flut von Plakate, Flyern und Mediuenbeiträgen prasselt auf die Bürger in Sachsen-Anhalt ein.
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Die FDP spricht sich dafür aus, „dem längst überfälligen Verfassungsauftrag zur Ablösung der Staatsleistungen für die Kirchen endlich nachzukommen“. Allerdings sei dazu ein entsprechendes Grundsätzegesetz des Bundes notwendig. Und „in jedem Fall muss die Ablösung mit einer angemessenen Entschädigung für die Kirchen einhergehen“, heißt es von den Liberalen. Diese Position teilen auch die anderen Parteien.

Denkmalförderung für historische Kirchen

Die allermeisten der mehr als 2.000 sakralen Gebäude in Sachsen-Anhalt haben eine mittelalterliche Bausubstanz. Deshalb sind sich die Parteien einig, dass das Land im Rahmen der Denkmalförderung auch künftig Mittel für den Erhalt von Kirchengebäuden bereitstellen soll.

Der Magdeburger Dom. | Foto: Thomas Nawrath

„Kirchen sind wichtige kulturelle Orte, die Geschichte und Werte vermitteln, kulturelle Arbeit ermöglichen und als unverzichtbarer Bestandteil unserer Kulturlandschaft anerkannt werden sollten“, sagt etwa Dennis Helmich von den Grünen. Man wolle „dieses Erbe bewahren und pflegen“.

Für einen Erhalt der Denkmalpflegeförderung sprechen sich auch die anderen Parteien aus. „Es ist für die Identität unseres Landes unabdingbar, dass 'die Kirche im Dorf' bleibt“, sagt CDU-Mann Stehli. Die Liberalen verweisen zudem darauf, dass die landeseigene Kulturstiftung als Eigentümerin „für die Bauunterhaltung einiger der bedeutendsten Sakralbauten“ wie der Dome von Magdeburg, Havelberg und Halberstadt verantwortlich ist. Selbst AfD-Mann Tillschneider spricht sich für den Erhalt der Förderung historischer Gotteshäuser „als Baudenkmal von höchstem Rang“ aus.

epd

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Thomas Nawrath

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