Kommentar
Bis zum Jüngsten Tag

Von Willi Wild
Im Deutschlandfunk hat Christiane Thiel, Hochschulseelsorgerin in Halle, kürzlich über ihre ostdeutsche Identität gesprochen. Sie fühle sich bis heute als Ossi »rassistisch benachteiligt«. Im Gespräch mit Christiane Florin sagte sie: »Das merken wir gerade in der evangelischen Kirche bei jeder Bischofswahl, bei jeder Bischöfinnenwahl. Es gibt gar keine ostdeutschen Kandidaten und Kandidatinnen, auch jetzt in Berlin nicht. Also, ich finde es eine Katastrophe.«
Die Kirche habe sich, nach Thiels Worten, seit der Wende in eine konservative Richtung zurückentwickelt, »die mich schockiert, die mir auch fremd ist«. Die konservativen Kirchenkritiker reden ähnlich, nur eben aus der anderen Richtung.
In diesem Jahr feiern wir nicht nur 30 Jahre Friedliche Revolution, sondern auch ein Jahrzehnt der Vereinigung zweier Landeskirchen in Mitteldeutschland. Auch da scheint es noch einige Gräben zu geben. Noch ist nicht zusammengewachsen, was seit 2009 zusammengehört.
Auf beiden Seiten wird bis heute mit der Fusion gehadert. Das kann vermutlich noch einmal zehn Jahre dauern, bis die kritischen Stimmen leiser werden. Andererseits scheint die Herkunft im Umgang miteinander in den Gremien immer weniger eine Rolle zu spielen.
Die Herausforderungen bleiben auch unter geänderten Vorzeichen gleich, so die beiden Altbischöfe Christoph Kähler und Axel Noack im Gespräch. Zudem gebe es die Zusage, dass die Kirche bis zum Jüngsten Gericht Bestand habe.
»Da auch in der EKM gesungen, gebetet und gepredigt werden kann und wird, sind die Grundvoraussetzungen für die Zukunft gegeben«, so Noack. Dem habe ich nur noch hinzuzufügen: Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, ein gesegnetes neues Jahr!

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