Nachgefragt
Versöhnungsgeste per Post

Wolfgang Ipolt, katholischer Bischof von Görlitz | Foto: Bistum Görlitz/RaphaelSchmidt
  • Wolfgang Ipolt, katholischer Bischof von Görlitz
  • Foto: Bistum Görlitz/RaphaelSchmidt
  • hochgeladen von Online-Redaktion

1965 reichten die polnischen katholischen Bischöfe ihren deutschen Amtsbrüdern die Hand zur Versöhnung. "Wir vergeben und bitten um Vergebung", schrieben sie 20 Jahre nach Kriegsende. Benjamin Lassiwe sprach mit dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt über die Bedeutung des Briefwechsels.

Wie begehen Sie das Jubiläum?
Wolfgang Ipolt: Wir werden am 18. November eine gemeinsame Veranstaltung der Deutschen und der Polnischen Bischofskonferenz in Breslau durchführen. Das ist exakt der Tag, auf den der Brief datiert wurde. Geplant sind eine kleine Ausstellung und eine gemeinsame Erklärung der Bischöfe zum 60-jährigen Jubiläum des Briefwechsels. Die polnischen Bischöfe haben vor einiger Zeit versucht, den Briefwechsel als immaterielles Kulturerbe der Unesco anerkennen zu lassen. Darauf haben sie aber noch keine Antwort bekommen.

Unterstützen die deutschen Bischöfe dieses Anliegen?
Ich denke schon, dass es dem Anliegen helfen würde, wenn wir uns dafür einsetzten. Wichtig ist, dass die Bedeutung der beiden Schreiben ungebrochen ist. Die deutschen Bischöfe haben damals sofort auf den Brief reagiert, sich nachts zusammengesetzt und eine Antwort formuliert. Auch wenn die Bischöfe in beiden Ländern damals für manche Formulierungen in den Briefen stark kritisiert wurden – ohne den Briefwechsel hätte sich das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen möglicherweise anders entwickelt.

Wie ist heute das Verhältnis zu Ihren polnischen Amtsbrüdern?
Wir pflegen einen sehr entspannten und brüderlichen Umgang. Ich bin immer wieder in Polen zu Gast – zuletzt bei einem Berggottesdienst auf der Schneekoppe im Riesengebirge. Jedes Mal höre ich, was die polnischen Bischöfe derzeit umtreibt: Auch sie erleben Abbrüche im Glauben in einem Land, das traditionell katholisch war. Der Gottesdienstbesuch geht zurück, dazu kommt die Frage des Religionsunterrichts, den der polnische Staat auf eine Stunde pro Woche gekürzt hat.
Als Deutsche können wir da solidarisch sein: Die immer säkularer werdende Gesellschaft erleben wir hier bei uns ja schon lange. Wir können dann unsere Erfahrungen weitergeben. Kirche kann man auch bauen und leben, wenn bestimmte staatliche Privilegien entfallen oder manche Unterstützung wegbricht.

Verändert sich die polnische Identität gerade?
Es gibt zumindest auch in Polen zunehmend Menschen, die sich nicht mehr als Christen bekennen. Ich bin vorsichtig, da direkt von einem Identitätswandel zu sprechen, denn Polen hat eine andere Geschichte. Daran können sie – auch unter veränderten Verhältnissen – immer anknüpfen.

Spüren Sie im Gespräch mit den Christen in Polen etwas von den Spannungen rund um die Grenzkontrollen?
Nein. Wenn ich mich mit unseren polnischen Partnern unterhalte, schmunzeln sie gelassen und sagen: "Das wird schon wieder vorbeigehen." Es ist ein Versuch, um die Migration zu begrenzen und zu ordnen. Ob es hilfreich ist und ob es funktioniert, das wird man sehen.

(kna)

Autor:

Online-Redaktion

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

41 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.