Serie »Buga, Bibel und Botanik« (19)
Symbol, Heilkraut und Zierpflanze

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Nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern auch im Garten können Sie der Vergangenheit auf der Spur sein. Heute soll uns dazu ein kleiner Halbstrauch aus dem Mittelmeergebiet helfen: das Heiligenkraut. Diese immergrüne Pflanze trägt bei uns im Juni und Juli leuchtend gelbe Blüten. Im 7. Jahrhundert wurde das Pantheon in Rom zur Kirche umgestaltet. Um es vom Heidentum zu reinigen, wurden Gebeine der Märtyrer aus den Katakomben in den Fußboden eingearbeitet. Am 13. Mai 609 wurde diese Kirche deshalb „Maria und allen Märtyrern (Heiligen)“ geweiht.

Ebenfalls im Mai blüht im Mittelmeerraum das Heiligenkraut. Immergrün war ein Zeichen der Ewigkeit, man denke etwa an den Efeu. Die leuchtend gelben Blüten kann man erst im zweiten Jahr bewundern. Sie wurden zum Symbol für die Märtyrerkronen, ein seit dem frühen Christentum gebräuchliches Heiligenattribut. So wie das Heiligenkraut erst im zweiten Jahr nach der Winterruhe erblüht, so erblühen die Heiligen erst nach der Totenruhe zum ewigen Leben.

Das Heiligenkraut war also ein sichtbarer Ausdruck des Festinhaltes. Dieses jährliche Kirchweihfest zog viele Pilger an, jedoch war ihre Versorgung im späten Frühjahr, also vor der neuen Ernte, schwierig. Deshalb wurde das Fest „Allerheiligen“ im 9. Jahrhundert auf die Zeit nach der Ernte, nämlich auf den 1. November, verlegt. Trotz der Verlegung des Festtermins behielt die immergrüne Pflanze weiter ihren Namen „santolina“, italienisch „santo“ = heilig.

Im Gegensatz zu anderen Heilpflanzen spielte das Heiligenkraut im Mittelalter keine Rolle. Erst seit dem 17. Jahrhundert taucht diese Staude im mitteleuropäischen Raum auf. Man nutzte sie als Mittel gegen Darmparasiten und Würmer und als Duft- oder Mottenkraut. Heute wird das Heiligenkraut meist als Zierpflanze kultiviert.

Durch die Verlegung des Allerheiligenfestes in den November sind die Verbindung dieser Pflanze mit dem Fest sowie ihre symbolische Bedeutung verloren gegangen. In Steingärten oder in anderen trockenen, sonnig-warmen Beeten können wir sie bewundern, oft auch zusammen mit anderen mediterranen Gewächsen. Begeben Sie sich auf die Suche!

Gartenpfarrer Johannes Schmidt

Autor:

Online-Redaktion

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