Bad Köstritz
Kirchengeschichte trifft Schmetterlingspädagogik
- Kirche für Kinder: Museumspädagogin Christine Haustein (l.) und Schulleiter Maik Poser (r.) mit den Machern des Audioguides
- Foto: Wolfgang Hesse
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Wer einmal im Heinrich-Schütz-Haus in Bad Köstritz war, weiß, dass man das Geburtshaus des bekannten Komponisten des Frühbarocks nicht nur visuell erleben kann.
Von Wolfgang Hesse
Auf einem Plakat im Eingangsbereich finden Besucher einen QR-Code. Einmal gescannt, lädt ein Audioguide ein, die Räumlichkeiten des Hauses per Smartphone zu entdecken. Entstanden ist dieser akustische Leitfaden im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Heinrich-Schütz-Haus und der Köstritzer Regelschule „Hans Settegast“. Seit nunmehr drei Jahren gibt es die Zusammenarbeit zwischen der Bildungseinrichtung und dem Museum.
Auch im aktuellen Schuljahr wurde die Idee wieder aufgegriffen. Entstehen sollte dieses Mal ein Audioguide für die Kirche St. Leonhard Bad Köstritz. Hier wurde Heinrich Schütz wenige Tage nach seiner Geburt am 9. Oktober 1585 getauft. Im Stundenplan verankert ist das Projekt im Rahmen der sogenannten Schmetterlingspädagogik, die ihre Wurzeln in Baden-Württemberg hat. Das Lernkonzept besteht aus zwei Flügeln, dem Bereich "Lernen durch Erleben" und dem "selbstorganisierten Lernen". Letzteres ist Teil des Bildungsansatzes der Realschule in Bad Köstritz. Dabei haben die Siebt- und Achtklässler die Möglichkeit, sich jeweils für ein Trimester, also zwölf Wochen, in ein Wahlfach einzuschreiben.
Realisiert wurde das Projekt von den Schülern im Wahlfach Geschichte. Das Ziel: Der Audioguide für St. Leonhard sollte nicht nur einen Einblick in die sakralen Räumlichkeiten bieten, sondern auch die kirchlichen Symbole und geschichtliche Hintergründe vermitteln. So sei viel Wert gelegt worden auf die Orts- und Kirchengeschichte, insbesondere auf den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, berichtet Christine Haustein. Sie begleitet als Museumspädagogin im Heinrich-Schütz-Haus gemeinsam mit Schulleiter Maik Poser von der Realschule die Projektarbeit.
„Viele von den Schülern waren noch nie in einer Kirche. Wir haben zunächst während einer Exkursion die Orte, wie Emporen, Fürstenloge, Sakristei und die Kanzel, erkundet“, so Haustein. Die Kinder konnten sich in kleinen Gruppen für ein Thema entscheiden, mit dem sie sich dann näher beschäftigten. Zur Auswahl standen: das Kirchengebäude, die Bleiglasfenster, der Taufstein, die Kassettendecke, das Lesepult, die Kanzel, der Altar, die Orgel sowie der Glockenturm. „Die intensive Beschäftigung warf natürlich viele Fragen auf“, verrät Christine Haustein. Während der wöchentlichen Treffen im Heinrich-Schütz-Haus erhielten die Kinder das nötige Hintergrundwissen. „Wir haben über den Glauben gesprochen, das Thema Bauernkrieg behandelt und die Musikinstrumente der Schütz-Zeit den Kindern vorgeführt“, sagt die Museumspädagogin.
Insgesamt 25 Kinder haben am Audioguide mitgearbeitet. Beim Bürgerradio OKJ (Offener Kanal Jena) wurden die Texte professionell eingesprochen. Die „Kirchenmaus Thea“ verbindet als Moderatorin die einzelnen Themen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen mit dem akustischen Gästeführer angesprochen werden.
Am 26. Juni soll der Audioguide an die Kirchengemeinde im Pfarrhaus übergeben werden.
Autor:Online-Redaktion |
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