Breite Kritik an "deutscher Nationalkultur"
Antrag im Landtag gescheitert
- Der Landtag von Sachsen-Anhalt lehnte in seiner Sitzung am 25. Juni 2026 einen AfD-Antrag zu einem "nationalistischen" Bekenntnis in der Kulturförderung des Landes ab.
- Foto: epd-bild/Viktoria Kuehne
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Seit zwei Monaten läuft Sachsen-Anhalts Kulturszene Sturm gegen die von der AfD geplante "patriotische Wende" in Kunst und Kultur. Ein Landtagsantrag für ein Bekenntnis von Künstlern "zur deutschen Nationalkultur" stößt nun auf weitere Kritik.
Von Thomas Nawrath
Magdeburg. Das Landesnetzwerk der Kulturfördervereine in Sachsen-Anhalt hat der AfD versuchte „Gesinnungskontrolle“ in Kunst und Kultur vorgeworfen. Hätte am Donnerstag ein AfD-Antrag zur Kulturförderung im Landtag eine Mehrheit gefunden, wäre dies „das Aus für missliebige Kulturinstitutionen, für kreative Freiräume seiund für künstlerische Experimente“ gewesen, sagte die Sprecherin des Netzwerks, Sigrid Bias-Engels, in Magdeburg.
Obwohl die AfD-Fraktion eine „Gesinnungskontrolle“ verneine, wäre genau dies die Folge, sagte Bias-Engels: „Wer sich nicht für ihre nationalistisch-rückwärtsgewandte Kulturpolitik instrumentalisieren lässt, hätte künftig keine Chance mehr auf eine öffentliche Förderung.“
- Der Landtag von Sachsen-Anhalt lehnte in seiner Sitzung am 25. Juni 2026 einen AfD-Antrag zu einem "nationalistischen" Bekenntnis in der Kulturförderung des Landes ab.
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Nationalistische Pläne widersprechen Gesetz
Der AfD-Antrag entsprach weitgehend dem Wahlprogramm der Partei zur Landtagswahl im September. Dort fordert die Partei „eine patriotische Wende“ und Förderung nur für jene Kunst und Kultur, die „einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet“. Umfragen zufolge könnte die AfD stärkste Partei werden.
Diese Pläne stünden Kritikern zufolge im krassen Widerspruch zum jüngst verabschiedeten Kulturfördergesetz von Sachsen-Anhalt. „Das Land bekennt sich ausdrücklich zur Freiheit von Kunst und Kultur, deren Entwicklung und zu deren verlässlicher Förderung“, sagte Netzwerksprecher Michel Redlich. Genau diese Kulturfreiheit, Weltoffenheit und der europäische Austausch hätten Sachsen-Anhalt erst zu einem führenden Kulturland gemacht. Dafür stünden auch die fünf Unesco-Welterbestätten und etliche renommierte Theater.
- Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist nicht nur Unesco-Welterbe und beliebtes Ausflugsziel. Die Kulturstiftung Gartenreich Dessau-Wörlitz ist zudem Mitunterzeichner der gemeinsamen Erklärung gegen die AfD-Kulturpolitik und in der Initiative "Kultur ist Vielfalt und Heimat" aktiv.
- Foto: epd-bild/Steffen Schellhorn
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Landtagsfraktionen lehnen Ansinnen der AfD ab
Den Antrag der AfD-Fraktion lehnten am Donnerstag sowohl die regierungstragenden Fraktionen von CDU, SPD und FDP als auch oppositionelle Linke und Grüne im Landtag ab. „Kulturschaffende sollten unbequem sein“, sagte der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Schumann.
Der FDP-Abgeordnete Andreas Silbersack sagte, wenn Vereine eine Patriotismuserklärung abgeben müssen und Behörden darüber entscheiden, sei staatlicher Kontrolle, Bevormundung und Einschränkung der Kunstfreiheit Tür und Tor geöffnet.
Grünen-Sprecher Wolfgang Aldag ergänzte: „Kultur ist der freie Atem unserer Demokratie. Sie entsteht dort, wo Menschen fragen, zweifeln und neue Wege wagen.“ Wer jedoch „Fördermittel an ideologische Loyalitätsbekundungen koppeln will, greift in die Freiheit von Kunst und Kultur ein“, sagte Holger Hövelmann (SPD).
- Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, zu der neben dem Magdeburger Dom (im Bild die neue Glocke CREDAMUS) auch weitere Kathedralen, Museen, Burgen und Schlösser zählengehört der Initiative "Kultur ist Vielfalt und Heimat" an und hat die gemeinsame Erklärung gegen die geplante AfD_Kulturpolitik unterzeichnet.
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Große Unterstützung für Initiative für Vielfalt in der Kultur
Seit zwei Monaten läuft die Kulturszene Sturm gegen die von der AfD propagierte „patriotische Wende“. Mittlerweile hätten mehr als 140 Museen, Theater, Orchester und Verbände sowie Dutzende Privatpersonen die „gemeinsame Erklärung“ unterschrieben, sagte die Sprecherin der Initiative „Kultur ist Vielfalt und Heimat“, die Direktorin des Kunstmuseums Magdeburg Annegret Laabs. Die Pläne der AfD wies sie entschieden zurück: „Kultur lebt seit jeher vom lebendigen Austausch über Ländergrenzen hinweg. Deshalb kann es keine 'deutsche Kultur' als alleinige Grundlage von Identität geben“.
- Auch die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) sind Teil der Initiatiative "Kultur ist Vielfalt und Heimat" und haben die gemeinsame Erklärung gegen die geplante AfD_Kulturpolitik unterzeichnet.
- Foto: epd-bild/Steffen Schellhorn
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Gerade die Kultur Sachsen-Anhalts sei stark von Einflüssen aus anderen Ländern und Kulturen geprägt. „Ein modernes Bekenntnis zur Kultur sollte daher weltoffen, pluralistisch und integrationsbereit sein, anstatt sich abzuschotten“, sagte Laabs. Es gehe darum, dass „Kulturen als gleichwertig anerkannt“ werden und „wir uns auf Augenhöhe begegnen“.
epd
Autor:Online-Redaktion |
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