Freitag vor 1
Von Fußball und Zinzendorf
- hochgeladen von André Poppowitsch
Was hat die Fußball-Weltmeisterschaft mit Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760), Theologe und Gründer der Herrnhuter Brüdergemeinde, zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick gibt es jedoch eine Verbindung.
Von André Poppowitsch
Nach dem ernüchternden Ergebnis aus dem gestrigen Spiel Ecuador vs. Deutschland von 2:1 werden Fans wohl kaum in die Lieder Zinzendorfs „Herz und Herz vereint zusammen“ (EG 251) oder „Wir wolln uns gerne wagen“ (EG 254) als Fangesang einstimmen. Allenfalls der Liedtext aus Zinzendorfs Feder „Jesu, geh voran“ (EG 391) mag Trost und Kraft spenden – nicht nur Fans, sondern gerade auch Spielern, die beim Betreten des Platzes ihren christlichen Glauben durch das Bekreuzigen oder durch das gemeinsame Beten im Mittelkreis bekennen.
Der Bezug der Fußball-WM zu Zinzendorf und der Herrnhuter Brüdergemeine ergibt sich durch die Quartierwahl der deutschen Nationalmannschaft. Die Stadt Winston-Salem mit ihren 250000 Einwohnern im US-Bundesstaat North Carolina zählt sicher nicht zu den glamourösesten Quartieren – die Brasilianer sind zum Beispiel in New York untergebracht, die Franzosen und Senegalesen in Boston, die Portugiesen in Palm Beach.
Dafür liegen die Wurzeln Winston-Salems tief in der deutschen Religionsgeschichte, denn gegründet wurde sie von Mitgliedern der Herrnhuter Brüdergemeinde – 1753 wählte der aus Klettenberg im heutigen Thüringen stammende Herrnhuter-Bischof Gottlieb August Spangenberg den Platz am Flüsschen Muddy Creek aus, um die Siedlung Bethania zu gründen, aus der ab 1766 – also zehn Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – die Staat Salem hervorging. Das Brüder- und Schwesternhaus sowie die Kirche der Herrnhuter bildeten das Zentrum der Stadt. Gottlieb August Spangenberg kehrte bereits 1762 nach Deutschland zurück, denn er wurde zum Nachfolger des verstorbenen Zinzendorf berufen.
Und so ist der Bogen dann doch geschlagen von der Fußball-WM zu Zinzendorf. Sofern der Geist der Herrnhuter in Winston-Salem heute noch zu spüren ist, möge er die Spieler der Nationalmannschaft nun in der Hauptrunde der WM möglichst weit tragen.
Und unsere aktuelle Ausgabe möge Ihnen bis zum nächsten Spiel unseres Teams am Montag (29.6., 22.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) die Zeit verkürzen. Viel Vergnügen bei der Lektüre!
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Autor:André Poppowitsch |
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