Kreuzkirche Störmthal bei Leipzig
DDR-Ende verhindert Gotteshaus-Abriss
- Kreuzkirche Störmthal
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- hochgeladen von Holger Zürch
Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um ein Gotteshaus, das nur knapp der Zerstörung aufgrund des Braunkohle-Tagebaus bei Leipzig entgangen ist – die Kreuzkirche Störmthal.
Die Kreuzkirche zu Störmthal ist das evangelisch-lutherische Gotteshaus in Störmthal, einem Ortsteil der Gemeinde Großpösna, im Landkreis Leipzig südöstlich von Leipzig im Freistaat Sachsen. Es steht unter Denkmalschutz.
Geschichte
Die ursprünglich gotische Saalkirche entstand vermutlich im 15. Jahrhundert. In den Jahren 1667 bis 1668 wurde sie umgebaut. Ab 1690 wurde die Kirchgemeinde eigenständig:
In jenem Jahr gelang es dem Störmthaler Rittergutsbesitzer Statz Friedrich von Fullen (1638–1703), Störmthal aus der Parochie Magdeborn herauszulösen und eine eigene zu gründen. Dazu war die Zustimmung erforderlich des kurfürstlichen Hofes in Dresden als höchste Instanz. Mit den Filialkirchen Dreiskau und Kleinpötzschau wurde Störmthal zur Mutterkirche.
Statz Hilmar von Fullen (1691–1751), Sohn von Statz Friedrich von Fullen, ließ 1722 die Kirche umbauen und vergrößern, wobei im Wesentlichen die Südseite des Langhauses erhalten blieb, sowie im Folgejahr die Orgel von Zacharias Hildebrandt (1688–1757) erneuern. Nach 1990 wurde die Kirche umfassend saniert.
Architektur
Das Gotteshaus ist etwa 26,5 Meter lang und 9,5 Meter breit. Der Baukörper ist verputzt, hat Spitzbogenfenster und getreppte Strebepfeiler. Der Ostabschluss hat einen Grundriss in Form eines offenen Dreipassbogens.
Im Gegensatz zu den gotischen Merkmalen des Langhauses schließt der in das Gebäude einbezogene achteckige Turm mit einer barocken Haube mit Laterne ab. An der Nordseite schließt sich ein rechteckiger Baukörper mit Sakristei und Patronatsloge an. Der Innenraum ist flachgedeckt und die Empore dreiseitig umlaufend.
Ausstattung
Störmthal war ein wohlhabender Ort, was sich etwa an der barocken Ausstattung der Kirche von 1722 zeigt. Der teilweise mit Marmor-Imitation versehene Kanzelaltar ist mit Schnitzwerk und Putten reich verziert. Eine goldene Kartusche an der Kanzel trägt die Aufschrift: „Sehlig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Luc. XIV.28.“
Der Altar wird von zwei kunstvoll verzierten Türen flankiert, die dem früher mit dem Abendmahlsempfang verbundenen Altarumgang dienten. Das mit Engelsköpfen verzierte und mit einer Abdeckung versehene Taufbecken kann als Lesepult genutzt werden.
Die ebenerdige Patronatsloge zeigt die Wappen der einstigen Rittergutsbesitzer von Fullen, von Kötteritz, von Watzdorf und von Schulenburg. Emporen und Gestühl sind farblich und stilistisch aufeinander abgestimmt.
Ältestes Ausstattungselement ist das Kruzifix mit lebensgroßem, aus Lindenholz geschnitztem Korpus, das wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert datiert und aus der vorherigen Kirche in Störmthal stammt, die auch den Namen Kreuzkirche trug. 2014 war eine Restaurierung vorgesehen.
Ein Epitaph von 1703 für Statz Friedrich von Fullen zeigt ihn als Ölgemälde in einem Trophäenrahmen mit Lebensdaten, Titeln und Funktionen.
Orgel
Die überregionale Besonderheit dieser Kirche ist die Hildebrandt-Orgel von 1723, die im Auftrag von Hilmar Statz von Fullen entstand. Der bat zunächst Gottfried Silbermann (1683–1753), die Orgel zu bauen. Doch dann wandte sich der Kirchenpatron an Silbermanns Meisterschüler Zacharias Hildebrandt – vermutlich wegen der ihm zu hohen Preisvorstellung Silbermanns.
Hildebrandt unterbreitete sein Angebot von 400 Talern, die beiden wurden sich einig. Jedoch kam es daraufhin zum Zerwürfnis zwischen Silbermann und Hildebrandt: Beide hatten vereinbart, dass Hildebrandt zu jedem von ihm beabsichtigten Orgelbau im sächsischen Raum der Zustimmung von Silbermann bedurfte.
Das Instrument mit 14 Registern auf einem Manual und Pedal ist eine der wenigen weitgehend im Originalzustand erhaltenen beziehungsweise zurückversetzten Orgeln, die Johann Sebastian Bach (1685–1750) spielte. Bach ließ bei ihrer Einweihung „am 2. Novembris 1723“ seine eigens dafür geschaffene Kantate „Höchsterwünschtes Freudenfest“ (BWV 194) erklingen.
Das einmanualige Instrument mit Pedal wurde 2008 restauriert und hat wieder die Disposition von 1723.
Kirchgemeinde
Das Kirchengebäude gehört mit den Kirchen von Probstheida, Güldengossa und Wachau zur Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde im Süd-Osten von Leipzig.
Verschiedenes
Friedrich Naumann (1860–1919), der Namensgeber der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, kam als ältester Sohn des Ortspfarrers am 25. März 1860 im Pfarrhaus Störmthal zur Welt und wurde in der Kirche am 11. April 1860 getauft. Er erlebte dort seine ersten Kindheitsjahre. Eine kleine Ausstellung im Pfarrnebengebäude vermittelt einen Einblick in das Lebenswerk dieses Pfarrers, Theologen, liberalen Politikers und Parlamentariers.
Anlässlich des Bachfestes Leipzig 2026 übertrugen MDR Kultur und Deutschlandfunk am 21. Juni 2026 den evangelischen Gottesdienst aus der Kreuzkirche Störmthal und schufen damit überregionale Aufmerksamkeit für dieses Gotteshaus.
Anfang der 1980er Jahre war das Ende des Ortes geplant – und damit auch das Ende des Gotteshauses: Das DDR-Energieministerium hatte für die Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus Espenhain die Abbaggerung Störmthals und weiterer Orte beschlossen. Es wurde ein Bauverbot erlassen, der Ort verfiel zusehends.
Mit der Friedlichen Revolution in der DDR kam das Ende dieser Pläne, Störmthal entging der Devastierung. Der Ort belebte sich wieder, viele Bauernhöfe und die Kirche wurden seitdem restauriert. Das Tagebaurestloch nahe an Störmthal wurde geflutet und ist heute der Störmthaler See.
Koordinaten: 51° 14′ 51″ N, 12° 28′ 17,9″ O
https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzkirche_(St%C3%B6rmthal), dort auch Verzeichnis der Autoren
https://www.kirchenquartett.de
Autor:Holger Zürch |
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