Telefonseelsorge
Alle Kommunikationskanäle sollen bereitstehen

Die 104 Telefonseelsorge-Stellen in Deutschland bereiten sich organisatorisch auf das „andere“ Weihnachten dieses Pandemie-Jahres vor. Die Dienste müssen über die Feiertage gut besetzt sein, Chat-Angebote werden aufgestockt. Die Fürsorge richtet sich aber auch auf die Mitarbeitenden selbst, denn auch sie sind in Bezug auf Weihnachten Betroffene.

Bei rund einem Viertel der Anrufe gehe es um das Thema Corona, oft in Verbindung mit Angst, Einsamkeit und depressiver Stimmung. „Weihnachten ist für die Telefonseelsorge wie auch für andere Organisationen die Zeit des Jahresendspurts. Dieses Jahr sind wir durch Corona in einer besonderen Situation“, erklärt Petra Schimmel, Leiterin der Telefonseelsorge Hamm und Vorstandsmitglied der Evangelisch-Katholischen Kommission (EKK), des Leitungsgremiums der Telefonseelsorge. Zunächst müsse mehr denn je sichergestellt sein, dass möglichst viele Anfragen, ob per Telefon oder Chat, auch ankommen. Die Kommunikationskanäle sollen möglichst vielen zur Verfügung stehen.

Die Telefonseelsorge verfügt grundsätzlich über ausreichende Erfahrung mit Einsätzen an den Feiertagen. Die Notrufnummer ist rund um die Uhr besetzt - an allen Tagen des Jahres. Dennoch wird dieses Jahr manches anders sein, vermuten die Verantwortlichen. „Wir erleben besonders beim Chatten eine deutlich erhöhte Anfrage-Rate. Während des Lockdowns im März und April hatten wir mehr als doppelt so viele Chats wie in den Vergleichsmonaten 2019 und auch im Oktober und November stiegen hier die Zahlen wieder. Im Vorjahr waren es durchschnittlich 53 Chats. In der letzten Woche lagen wir bei fast 100. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir gerade hier über Weihnachten gut aufgestellt sein müssen“, so Petra Schimmel.

"Unter den Themen, die unsere Ratsuchenden benennen, nimmt die Einsamkeit großen Raum ein“, ergänzt Peter Annweiler, Leiter der Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern. „Die Frage, was an Weihnachten möglich sein wird oder eben nicht, treibt viele um. Die Angst vor einer Infektion ist gerade bei den Älteren groß, nicht weniger groß ist die Angst, Weihnachten allein verbringen zu müssen.“ Mit rund 25 Prozent benennt Peter Annweiler den Anteil des Themas an den Gesprächen. „Aber auch Ängste und Probleme in Beziehungen und zwischenmenschlichen Kontakten werden häufiger als sonst angesprochen“, fügt er hinzu.

Es sei damit zu rechnen, dass diese Themen auch an den Weihnachtstagen eine große Rolle spielen werden. Zugleich seien von der Pandemie und ihren Auswirkungen die Beraterinnen und Berater am Telefon selbst betroffen. „Wir wissen von einer ganzen Reihe Ehrenamtlicher, dass sie dieses Jahr allein sein oder nur im engsten Kreis Weihnachten feiern werden“, bestätigt Petra Schimmel. „Berührend finde ich es, dass dadurch bei vielen die Bereitschaft wächst, über Weihnachten zusätzliche Dienste zu übernehmen. Wer sich an den Feiertagen mit seiner Traurigkeit, Einsamkeit und Verlorenheit an uns wendet, findet mit Sicherheit enormes Verständnis und die Vergewisserung: ich bin zwar an den Festtagen allein, aber ich habe viele Leidensgefährten, die wie ich versuchen, das Beste daraus zu machen.“

(red)

Hintergrundinformation

Mit mehr als 7500 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die Telefonseelsorge deutschlandweit tätig. Als eine der ersten Suizidpräventionseinrichtungen wurde sie 1956 in der alten Bundesrepublik gegründet. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen die Mitarbeitenden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Die Telefonseelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität.Die Beratung findet am Telefon, per Mail oder Chat und an insgesamt 23 Standorten auch im persönlichen Gespräch statt. Alle Beratungsangebote sind anonym und kostenfrei.

2019 wurden 932.100 Telefonate und 50.000 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 34.795 Mails geschrieben und es wurde 19.540 Mal gechattet. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die TelefonSeelsorge seit 2019 Hilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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