Ausblick ohne Birnenpunsch

Digitales Kamingespräch: (obere Reihe, v. l.) Landesbischof Friedrich Kramer; Oliver Weilandt (iad); Susanne Sturm (MDR); (2. Reihe, v. l.) Olaf Majer (LVZ); Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes; Finanzdezernent Stefan Große; (3. Reihe, v. l.) Ralf-Uwe Beck, Leiter des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Personaldezernent Michael Lehmann und EKM-Pressesprecherin Susanne Sobko
  • Digitales Kamingespräch: (obere Reihe, v. l.) Landesbischof Friedrich Kramer; Oliver Weilandt (iad); Susanne Sturm (MDR); (2. Reihe, v. l.) Olaf Majer (LVZ); Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes; Finanzdezernent Stefan Große; (3. Reihe, v. l.) Ralf-Uwe Beck, Leiter des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Personaldezernent Michael Lehmann und EKM-Pressesprecherin Susanne Sobko
  • Foto: Screenshot: Beatrix Heinrichs
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Beim traditionellen Kamingespräch der Landeskirche, der Vorschau auf  Termine und Aktivitäten der EKM vor Vertretern der Presse, war diesmal einiges anders.

Von Willi Wild

Der frühere US-Präsident Franklin D. Roosevelt gilt als Erfinder der „Kamingespräche“. Er bezeichnete seine zwanglosen, informellen Ansprachen im Radio, in denen er zum aktuellen Geschehen Stellung bezog, als „Fireside chats“. Seither werden Treffen als „Kamingespräche“ bezeichnet, in denen komplexe Themen Journalisten ausführlich vorgestellt werden. In angenehmer Gesprächsatmosphäre sollen die Redakteure zudem ihre Gesprächspartner besser kennenlernen.
Das alljährliche Kamingespräch der Landeskirche wurde in früheren Zeiten tatsächlich am Kamin im Landeskirchenamt in Eisenach abgehalten. Der Kamin ist längst nicht mehr, der Name ist geblieben. Anfang des Jahres laden die Präsidentin des Landeskirchenamtes, der Landesbischof und die Dezernenten Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen für einen Abend nach Erfurt und einen nach Magdeburg ein. Ablauf und Inhalt der beiden Kamingespräche sind identisch.
Legendär ist der warme und alkoholfreie Bio-Birnenpunsch, der, wenn schon kein Kamin von außen, ein innerliches Wohlgefühl verbreiten soll. Die Leitung des Landeskirchenamtes, das sogenannte Kollegium, gibt dann einen Einblick in die Arbeitsfelder und einen Ausblick auf Termine und Aktivitäten des beginnenden Jahres. Anschließend haben die Journalisten Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.
Coronabedingt musste das Gespräch diesmal ins Internet verlegt werden. Spätestens seit der digitalen Herbstsynode ist die Landeskirche mit diesem Format vertraut, und etwa 15 bis 20 Pressevertreter aller Gewerke waren es ebenfalls. Den Anfang machte Landesbischof Friedrich Kramer, der sich in seinem Statement, wie schon beim Synodenbericht im Herbst, der Seelsorge widmete.

Fokus liegt auf der Seelsorge
Kramer sieht es als einen Schwerpunkt seiner Amtszeit, den seelsorgerlichen Arbeitsfeldern mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung zukommen zu lassen. Für dieses Jahr seien Seelsorge-Visitationen geplant. Auftakt dazu ist ein Gottesdienst am 26. Februar in Halle, der auch im Internet übertragen werden soll. Wegen der Pandemie wolle man die ersten Visitationstermine ebenfalls online durchführen. Kramer betonte, dass er sich dabei ein Bild von der Seelsorgearbeit machen und im Gespräch Perspektiven diskutieren möchte.

Neuwahl bei konstituierender Synode
Die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Brigitte Andrae, ging in ihrem Bericht auf die anstehenden Veränderungen in der Kirchenleitung, in den Propstsprengeln und der Dezernatsstruktur des Landeskirchenamtes ein. Da die Präsidentin Mitte des Jahres in den Ruhestand tritt, ist die Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers für die konstituierende Landessynode im Februar vorgesehen. Andrae geht von einer Präsenztagung aus, sollte es die Pandemielage zulassen.
Die Pröpste Christian Stawenow (Sprengel Eisenach-Erfurt) und Christoph Hackbeil (Stendal-Magdeburg) gehen in diesem Jahr ebenfalls in den Ruhestand. Das Wahlverfahren für die Nachfolge sei vorläufig ausgesetzt, da zunächst die Neuordnung des regionalbischöflichen Dienstes von der Landessynode auf den Weg gebracht werden müsse. Nach dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe sollen die Propstsprengel von fünf auf zwei reduziert werden.
Die Präsidentin berichtete darüber hinaus, dass die Dezernate Bildung und Gemeinde zum Jahresbeginn zu einem Dezernat zusammengefasst wurden. Lediglich die Zuständigkeit für die Tagungs- und Begegnungsstätten der EKM sei an das Finanzdezernat gegangen.

Gut gewirtschaftet
Dessen Dezernent, Oberkirchenrat Stefan Große, konnte vermelden, dass der erwartete Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um zehn Prozent auf Grund der Corona-Pandemie wohl deutlich geringer ausfällt. Die Einnahmeausfälle konnten zudem aus den für Krisensituationen gebildeten Rücklagen finanziert werden. Für das Jahr 2021 werde der Kirchensteuerrückgang ebenfalls auf 10 Prozent geschätzt, führte Große weiter aus. Der Nachtragshaushaltsplan 2021 soll jedoch nicht wie 2020 durch Entnahme aus der Ausgleichsrücklage finanziert werden. Vielmehr seien vorläufig einzelne Haushaltsstellen mit Sperrvermerken versehen worden, die je nach Entwicklung aufgehoben werden können, so der Oberkirchenrat.

Mangel an Fachkräften – Vikariat begehrt
Über einen drohenden Mangel an theologischen Fachkräften informierte der Personaldezernent, Michael Lehmann. In den nächsten zehn Jahren sei mit einer Verdoppelung der Ruhestandseintritte von Pfarrerinnen und Pfarrern zu rechnen. Bis 2030 gingen über 50 der etwa 900 Geistlichen in Pension. Wegen des Bevölkerungsrückgangs könne man auch nicht mit einer Zunahme der Interessenten aus der Region rechnen, erklärte der Personaldezernent. Dies gelte für alle kirchlichen Berufe – von der Kirchenmusik bis zur Verwaltung.
Die Vielfalt der Verkündigungsdienste vom Pfarrberuf über Kirchenmusik und Gemeindepädagogik bis hin zur Diakonie nannte Lehmann "einen Schatz". Dieser solle durch Kooperation in multiprofessionellen Teams erhalten werden. Ziel sei, in der EKM "jetzt und künftig die christliche Botschaft zeitgemäß und milieusensibel unter die Leute zu bringen".
Zur Nachwuchsgewinnung schlug er eine verbesserte Kontaktpflege zu den angehenden Theologen vor. Ihnen sollten vermehrt Angebote der Seelsorge, Hilfe bei Gemeindepraktika und bei der Stipendiatenbetreuung unterbreitet werden. Lehmann wies zudem auf die attraktiven Wohnmöglichkeiten in den vier Konvikten mit ihren etwa 200 Wohnheimplätzen an den Universitätsstandorten Halle und Jena hin.
Erfreulich sei die Zahl der Vikare. Für die Aufnahme in das 2021 beginnende Vikariat der EKM hätten sich 25 junge Menschen beworben. „Der EKM gelingt es demnach, dem Trend entgegenzuwirken“, so Lehmann.

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Online-Redaktion aus Weimar

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