Pilgern mit Kirchenpräsident
Auf eine Kugel Stracciatella

Zwischenstation machte die Pilgergruppe in Aderstedt. | Foto: Thorsten Keßler
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Unter dem Motto „Anhalt – Schritt für Schritt“ war eine Pilgergruppe um Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer drei Tage vom 12. bis 14. August von Gernrode bis Köthen unterwegs. Sie hat auf dem Weg die Region mit ihren Kirchen und engagierten Menschen kennengelernt.

Von Thorsten Keßler

Am Ende der zweiten Etappe versammelt sich das Dutzend Pilger in der Apsis der wohltuend kühlen Stephanikirche in Bernburg-Waldau zur Abendandacht.

Am Morgen war die Gruppe in Aschersleben aufgebrochen. Über Giersleben, Warmsdorf, Amesdorf und Aderstedt zum Tagesziel Bernburg. Landwirtschaftliche Wege in der prallen Sonne, kaum eine Wolke am Himmel, Schatten am Wegesrand Mangelware. „Ich habe am Vorabend schon gehört: Der Weg wird hart und die höchste schattengebende Pflanze wird die Zuckerrübe sein“, erzählt Karsten Wolkenhauer nach der Ankunft in der Stephani-Kirche. „Aber es ist wunderschön, unterwegs zu sein auf kleinen, feinen Wegen.“

St. Stephani im Bernburger Ortsteil Waldau ist eine der ältesten Kirchen in Sachsen-Anhalt und gehört auch zur Straße der Romanik. Einfach und schlicht: Kirchenschiff, Chorraum, Apsis und ein Turm. Dicke Mauern, kleine Fenster und wohltuend kühl nach der Hitze des Tages und über 20 Kilometern.

Kleiner Energieschub für die nächsten Kilometer

Jeden Morgen öffnet Gerhard Fischer die Stephanikirche und schließt sie am Abend um 18 Uhr wieder ab. „Meine Eltern hatten hier ein kleines Järtchen“, erzählt er in leichter Mundart und macht aus dem G ein J. „Das waren alles frühere Järtchen, und dadurch haben wir eine Verbindung hierher.“

Es sind diese Begegnungen mit den engagierten und freundlichen Menschen, die die Pilger auf ihrem Weg berühren und die vielleicht auch immer wieder einen kleinen Energieschub für die nächsten Kilometer geben.

„Die Herzlichkeit der Menschen und die Verbindlichkeit zu den eigenen Gotteshäusern ist unglaublich“, findet Peggy Rotter, Landespfarrerin für die Arbeit mit Kindern, Familien und Jugendlichen. „Mit wie viel Liebe und Herzblut die Menschen hinter ihrer Kirche stehen. Wie sie die Kirche öffnen, kalte Getränke bereitstellen und sich Zeit nehmen für Gespräche und eine Kirchenführung, das hat mein Herz absolut erwärmt.“

Entschleunigung aus dem Alltag

Auch Ute Brandt aus Dessau ist beeindruckt vom Engagement der Menschen in den kleinen Orten. „Manchmal sind es nur zwei oder drei Leute, die die Kirche am Leben halten in den sehr kleinen Orten, von denen ich schon gehört, aber die ich noch nie besucht habe.“ Die Vorsitzende vom Gemeindekirchenrat der Auferstehungsgemeinde Dessau hat den Aufruf zum Mitpilgern auf der Website der Landeskirche gelesen. „Ich hatte noch drei Tage Urlaub, da habe ich gedacht, da pilgerst du mit.“

Pilgern sorgt für Entschleunigung aus dem Alltag, findet der Kirchenpräsident. „Diese Details am Weg, die Menschen in ihren Gärten, die liebevoll gepflegten Orte wären mir entgangen, wenn ich da nur durchgerauscht wäre.“ Es tut gut, „aus dem alltäglichen Wettkampf und der hohen Termindichte herauszutreten und den Ballast des Alltags hinter sich zu lassen“, beschreibt es Wolkenhauer. Eine schöne Übung sei es, „wenn man auch schweigen kann, während man nebeneinander hergeht.“ Und Ute Brandt ergänzt: „Wir hatten lange Wege, wo man gar nichts groß gedacht hat und im Kopf frei wurde. Und wenn man am Ziel ankam, haben sich alle miteinander gefreut und Gemeinschaft gehabt.“

Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Pilgern oft. Bei „Anhalt – Schritt für Schritt“ kommt noch das Entdecken und Kennenlernen der Kirchen auf dem Weg dazu, der Zwischenziele, wenn man so will.

Aderstedt, das letzte Zwischenziel der zweiten Etappe vor dem Tagesziel in Bernburg, fällt auf durch seine schon von weitem sichtbaren beiden schlanken Türme. Direkt vor der Kirche fällt auch noch der dritte Turm, der eigentliche Kirchturm, ins Auge. Die beiden schlanken 36 Meter hohen Türme hat Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg erst um 1860 bauen lassen. Eine Erinnerung an eine Kirche in der dänischen Heimat ihrer Vorfahren.

In Aderstedt begrüßt Gemeindekirchenrat Hanjo Radecke die Pilger und steigt mit der Gruppe über knarrende Holztreppen zu einer Glocke aus dem 13. Jahrhundert. Durch ein Dachfenster kann man außerdem über die Region in die Weite schauen.

Am Fuß der Kirche entrollt Karsten Wolkenhauer ein rund acht Meter langes Transparent. „Die Kirche bleibt im Dorf!“ steht in riesigen Lettern darauf geschrieben. „Das ist das, was wir wollen. Dass die Kirche im Dorf bleibt, am Ort und bei den Menschen.“

Während des Aufhängens des Transparentes am Zaun der Kirche schallt die Sirene des Eiswagens durch Aderstedt. Hanjo Ra-decke treibt zur Eile. „Wenn ihr ein Eis wollt, müsst ihr euch beeilen, der Eiswagen fährt schnell weiter.“ Der Kirchenpräsident lädt ein und macht mit Stracciatella den Anfang. Noch ein Gruppenfoto vor der Kirche, weiter nach Bernburg in die Unterkunft und anschließend in die Stephanikirche zur Abendandacht.

Zwischenstation machte die Pilgergruppe in Aderstedt. | Foto: Thorsten Keßler
St. Stephani im Bernburger Ortsteil Waldau gilt als eine der ältesten Kirchen in Sachsen-Anhalt.  | Foto: Thorsten Keßler
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