Kirchenkreis Bad Liebenwerda
„Einfach machen und schauen, was daraus wird“
- Dankgottesdienst in Gorden
- hochgeladen von Saskia Bugajowa
Brunhilde Leidreiter ist Lektorin und GKR-Vorsitzende im Kirchenkreis Bad liebenwerda. Heute ist sie 75 Jahre alt geworden. Gefeiert hat sie diesen Tag mit einem Dankgottesdienst in Gorden. Denn sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, passt nicht zu ihr.
Familie und Freunde aus dem Kirchenkreis und darüber hinaus kamen heute in der Kirche in Gorden zusammen, um Brunhilde Leidreiters 75. Geburtstag zu feiern. Doch einen Gottesdienst nur für sich wollte sie nicht. Brunhilde wollte Danke sagen: für ihr Leben, ihre Familie, ihre Genesung und die Menschen, die sie begleiten. Und sie wollte daran erinnern, dass wir alle Grund zum Danken haben. Pfarrer Sven Schmidt beschrieb im Gottesdienst, was Brunhilde seit vielen Jahren trägt: Sie vertraut auf Gott und weiß sich von ihm getragen. Das zeigt sich auch in ihrer Arbeit als Lektorin und in den vielen Dingen, die sie in ihrer Kirchengemeinde und im Kirchenkreis bewegt hat. Brunhilde selbst sagt es mit verschmitzten Lächeln: „Er hat mich von Krebs geheilt, weil er mich vielleicht hier noch als Bodenpersonal braucht.“ Und dieses Bodenpersonal ist in Gorden seit Jahrzehnten im Einsatz.
Der Glaube als Grundlage
Brunhilde wurde in Schraden in ein religiöses Elternhaus geboren. Einmal in der Woche kam eine Gemeinschaftsschwester aus Lauchhammer-Ost und hielt die Kinderstunde der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Diese Treffen und der Glaube ihrer Eltern prägten sie früh. Nach dem Abitur studierte Brunhilde Pharmazie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Später arbeitete sie viele Jahre als Apothekerin in Lauchhammer und machte sich nach der politischen Wende mit einer eigenen Apotheke selbstständig. 1978 zog sie mit ihrem Mann nach Gorden. Bald fand sie Anschluss an die Kirchengemeinde. Der damalige Pfarrer fragte sie, ob sie für den Gemeindekirchenrat kandidieren wolle. Seit etwa 1980 arbeitet sie dort mit, seit mindestens 1988 als Vorsitzende. Sie begleitete die Gemeinde durch mehrere Vakanzzeiten, übernahm Verantwortung und half mit, das kirchliche Leben im Ort weiterzuführen. Später, in ihrem "Unruhestand", ließ sie sich zur Lektorin ausbilden. Brunhilde hatte längst bemerkt, dass es weniger hauptamtliche Mitarbeitende gab. Sie wollte selbst Andachten und Gottesdienste gestalten können, wenn sie gebraucht wurden. Ohne Ausbildung hätte sie sich das nicht zugetraut. Heute hält sie Gottesdienste in Gorden und wird auch von anderen Gemeinden eingeladen. Vorgefertigte Predigten passen dabei selten zu ihr. Brunhilde Leidreiter möchte die Sprache der Menschen treffen, die vor ihr sitzen. Deshalb überlegt sie bei jedem Gottesdienst genau, welche Worte, Bilder und Zugänge zu den jeweiligen Menschen passen. Ein Regionalgottesdienst des Kirchenkreises braucht für sie eine andere Ansprache als ein Gottesdienst mit Menschen, die sonst nur selten eine Kirche betreten. Der Kern bleibt aber immer derselbe: „Wir haben die beste Botschaft zu verkündigen: das Evangelium.“
Ideen, die auf der Straße entstehen
Brunhildes Ideen entstehen selten am Schreibtisch. Sie findet sie im Dorf, im Gespräch und manchmal ganz nebenbei. Nach einem Gottesdienst sah sie auf dem Heimweg einen Nachbarn an seinem Motorrad arbeiten. Sie blieb stehen und fragte: Wie wäre es mit einem Gottesdienst für Motorradfahrer? Einem Gottesdienst, in dem es um Segen und Bewahrung auf ihren Fahrten geht? Der Mann nahm die Idee mit zu seinen Freunden. Als sich zeigte, dass tatsächlich Interesse bestand, bekam Brunhilde zunächst „Angst vor der eigenen Courage“. Was hatte sie da angestoßen? Würden die Motorradfahrer wirklich kommen? Und wie sollte sie diesen Gottesdienst gestalten? Sie machte ihn trotzdem. Der Biker-Gottesdienst wurde angenommen und erreichte Menschen, die sonst kaum in die Kirche kommen. Auch der Gottesdienst zum Schulanfang begann mit einer einfachen Frage. Durch die Krippenspiele kannte Brunhilde viele junge Familien. Sie wusste, welche Kinder in die Schule kommen würden, und fragte die Mütter, ob sie Interesse an einer Schulanfangsandacht hätten. Die Familien sagten zu. Inzwischen ist der Gottesdienst eine feste Tradition. So arbeitet Brunhilde Leidreiter. Sie setzt den Menschen kein fertiges Konzept vor. Sie fragt sie, was zu ihnen passen könnte. „Man muss einer von ihnen sein“, sagt sie. Die Menschen in Gorden kennen sie seit Jahrzehnten. Sie wissen, dass sie zu ihrem Glauben steht, aber niemanden überfordert. Brunhilde hört zu, lädt persönlich ein und bleibt verlässlich. Wahrscheinlich ist es genau das, was ihr die Türen öffnet.
Kirche gehört ins Dorf
Brunhilde möchte Kirche dort sichtbar machen, wo die Menschen ohnehin zusammenkommen. Deshalb wurde beim Dorffest ein Gottesdienst im Festzelt gefeiert. Auch beim nächsten Dorffest soll er wieder dazugehören. Das Adventssingen entstand aus einem ähnlichen Gedanken. Statt ein weiteres Angebot nur für den vertrauten Kreis vorzubereiten, lud sie den Dorfclub ein und verband den Gottesdienst mit gemeinsamem Singen. Das neue Format fand seinen Platz im Dorf. Dabei muss nicht jede Idee funktionieren. Sie traut sich, etwas auszuprobieren, auch wenn sie vorher nicht weiß, wie viele Menschen sich darauf einlassen. So entstanden einmal regelmäßige Abendandachten. Als sie merkte, dass ein anderes Format besser zu Gorden passen könnte, suchte sie weiter. „Überall ist es anders“, sagt die Lektorin. Deshalb lohnt es sich, hinzuschauen, mit den Menschen zu sprechen und etwas zu wagen. Nicht jede Idee muss bleiben. Doch aus jedem Versuch kann der nächste entstehen – und manchmal entwickelt sich daraus eine neue Tradition.
Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht eines Raben
Besonders gern entwickelt Brunhilde neue Krippenspiele. Die Weihnachtsgeschichte bleibt dabei der Mittelpunkt, wird aber nicht jedes Jahr auf dieselbe Weise erzählt. Einmal unterbrach gleich zu Beginn ein Rabe den Gottesdienst. Maria und Josef seien zwar wichtig, erklärte er, aber schließlich sei er den ganzen Weg mitgeflogen und könne selbst erzählen, was geschehen sei. So erschien die vertraute Geschichte aus einer neuen Perspektive. Während der Corona-Zeit wurde das Krippenspiel ins Freie verlegt. Pferde und ein Esel wurden Teil der Handlung. König Herodes erschien hoch zu Ross, und bei der Rückkehr aus Ägypten saß ein kleines Kind als Jesus auf dem Esel. Auch nach dem Gottesdienst darf etwas Neues entstehen. Ihr Sohn schlug vor, an Heiligabend Glühwein auszuschenken. Sie war zunächst unsicher, ließ sich aber auf den Versuch ein. Die Menschen blieben noch lange vor der Kirche stehen, unterhielten sich und wünschten einander frohe Weihnachten. Seitdem gehört der Glühwein dazu. Solche Momente sind ihr wichtig. Kirche ist für sie mehr als das, was während des Gottesdienstes geschieht. Sie zeigt sich auch dort, wo Menschen noch eine Weile zusammenbleiben, miteinander reden und sich wohlfühlen.
Einfach anfangen
Wer eine Idee für seine Gemeinde hat, aber noch zögert, bekommt von Brunhilde Leidreiter einen kurzen Rat: „Einfach machen!“ Das heißt bei ihr nicht, ohne nachzudenken loszulegen. Sie schaut genau hin, spricht mit den Menschen und fragt, ob sie eine Idee annehmen würden. Dann beginnt sie. Wenn etwas nicht klappt, versucht sie etwas anderes. Wenn die Menschen kommen und sagen, dass es ihnen gefallen hat, macht sie weiter. Ihre Kraft zieht sie aus genau diesen Rückmeldungen. Sie freut sich, wenn Menschen etwas aus einem Gottesdienst mitnehmen, wenn Kinder gern wiederkommen oder wenn jemand, der sonst kaum eine Kirche betritt, sich willkommen fühlt. Mit 75 Jahren ist Brunhilde Leidreiter deshalb keine Frau, die sich zurückzieht. Solange sie kann und solange es ihr Freude macht, bleibt sie aktiv. Nicht, weil sie selbst gesehen werden möchte, sondern weil sie andere sieht. Vielleicht passt ihr Bild vom „Bodenpersonal“ deshalb so gut. Brunhilde steht mit beiden Füßen im Leben ihres Dorfes, vertraut auf Gott und fängt an, wenn etwas getan werden muss.
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