Architektur, die heilen hilft

Klangraum: Auf der Orgelempore soll nach der Idee von Matthias Buß und Wolfgang Kempf ein „Cantorum“ für musik- und atemtherapeutische Zwecke entstehen.
  • Klangraum: Auf der Orgelempore soll nach der Idee von Matthias Buß und Wolfgang Kempf ein „Cantorum“ für musik- und atemtherapeutische Zwecke entstehen.
  • Foto: Katharina Hille
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Weitergedacht: In der mittelalterlichen Kirche St. Severi in Blankenhain sollen Theologie und Medizin, Glauben und Heilkunde verbunden werden. Mit dem IBA-Projekt „Vivendium“ soll ein soziales Zentrum inmitten der Thüringer Kleinstadt entstehen.

Von Katharina Hille

Im September 2019 ist die Blankenhainer Kirche Ziel einer Exkursion und eines Workshops des 29. Evangelischen Kirchbautages, der unter dem Thema „Aufgeschlossen – Kirche als öffentlicher Raum“ steht. In den vergangenen Monaten habe man die Pläne für die Gesundheitskirche noch einmal weitergesponnen, erzählt Architekt Matthias Buß. Zum Netzwerk kam die Krankenkasse AOK hinzu. Auch neue Ideen wie die der Taufkapelle kamen ins Gespräch; andere wie die der Winterkirche wurden verworfen. Manchem dauerte dieses Nachdenken fast zu lange – nun liegt die Machbarkeitsstudie vor. Im September wird der Fachbeirat der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) den Qualifizierungsprozess abschließen. Wird der Kandidat zum Projekt?
„Wir haben unsere Pläne vor allem funktional konkretisiert“, erläutert Projektentwickler Wolfgang Kempf. Die drei Ebenen der mittelalterlichen Kirche sollen aufgeteilt werden in Oratorium, Silentium und Cantorum. Das Erdgeschoss als „Oratorium“ dient als Versammlungsraum der Gemeinde wie auch in den Nebenräumen für psychotherapeutische Angebote, insbesondere Gesprächstherapien. Das „Silentium“ im ersten Obergeschoss ist dem Hören und Schweigen gewidmet und schafft Raum für biblio-, schreib- und ergotherapeutische Angebote. Das zweite Obergeschoss mit der Orgel ist als „Cantorum“ für die musik-, klang- und atemtherapeutische Nutzung vorgesehen.
Neu ist die Einbeziehung des Kirchturmes: Hier soll im Erdgeschoss ein „Planetarium“, ein Meditationsraum, entstehen. Er könne auch als Abschiedsraum genutzt werden, so Matthias Buß, denn das benachbarte Helios-Klinikum in Bad Berka verfügt weder über Kapelle noch Andachtsraum. Und schließlich wird durch behutsame Eingriffe in die Architektur der Kirche im Bereich des Südeingangs über der Grablege der Grafen von Gleichen eine Tauf- bzw. Lichtkapelle entstehen.
Wenn Buß und Kempf von ihrer Gesundheitskirche berichten und der benachbarten Kantorei, in der pflegende Angehörige mit ihren zu Pflegenden im Rahmen einer Kur Kraft schöpfen sollen, dann sprudeln die beiden vor Ideen, Deutungen, Wiederentdeckungen und Bezugspunkten. Ein Jungbrunnen für Kirche und Gemeinde? „Zukunft hat eine Vergangenheit“, argumentieren Matthias Buß und Wolfgang Kempf. Die Vergangenheit der Kirche von Blankenhain, ihres Ortes und ihrer Potentiale inspirieren sie, eine lebendige Zukunft für die Gemeinde und ihr Gotteshaus zu entwerfen.

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