Wort zur Woche
Wenn Glaube anzieht

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12, Vers 32

Es tut gut, Menschen zu begegnen, die Güte ausstrahlen und Weisheit besitzen. Ihre Sicht auf das Leben kann uns anregen, eigene Überzeugungen zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Von Sabine Kuschel

Wer seine Lebenserfahrung nicht besserwisserisch, sondern warmherzig und mit Empathie weitergibt, zu dem fühlt man sich hingezogen. Solche Menschen geben Orientierung, werden zu Vorbildern – sie haben Anziehungskraft.

Ohne Zweifel gilt dies in besonderer Weise für Jesus Christus. Seine Ausstrahlung seit jenem ersten Ostermorgen vor mehr als 2000 Jahren ist unbestritten. Unzählige Menschen haben sich seither von ihm beeindrucken lassen – von seiner Menschenfreundlichkeit, seiner so anderen Sicht auf die Welt und auf uns Menschen. Seine Botschaft von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden motiviert zu gesellschaftlichem Engagement für eine bessere Welt – bis heute. Der Bibelvers erinnert uns daran, dass diese Kraft nicht versiegt, auch wenn sinkende Kirchenmitgliederzahlen anderes vermuten lassen.

Zugleich wissen wir: Das Christentum ist durch Tiefen gegangen, auf Irrwege geraten und hat Schuld auf sich geladen. Aber dennoch zeigt seine Geschichte, dass Menschen immer wieder erfahren haben: Dieser Jesus lässt nicht los. Er zieht an. „So will ich alle zu mir ziehen.“ Gilt dieses Wort also auch heute? Es fällt nicht leicht, an dieses Versprechen zu glauben. Die Zerrissenheit unserer Gesellschaft, der Krieg in der Ukraine und im Iran, dazu die täglichen Warnungen vor der Klimakatastrophe – all das schürt Zukunftsangst und lässt eher an Untergang denken als an eine heile Welt. Und wenn Rettung möglich scheint, dann oft nur durch menschliche Anstrengung – ohne Hoffnung auf göttliches Eingreifen.

Doch Jesu Wort ist kein Appell, kein moralischer Auftrag. Es ist ein Zuspruch. Eine Verheißung. Eine Kraft, die von ihm ausgeht, nicht von uns. Darauf dürfen wir vertrauen – gerade in unserer zerrissenen, friedlosen Welt.

Die Autorin ist Theologin, aus Dresden.

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Sabine Kuschel | Foto: S. Kuschel
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