Rezension
Pontius Pilatus: Henker und Heiliger zugleich?

Nicht nur in der Passionszeit fällt immer wieder der Name des römischen Präfekten Pontius Pilatus, sondern er findet sich sogar im Glaubensbekenntis der Kirche. Aber wie gelangte dieser "Heide" dorthin?

Der Leipziger Professor für Neues Testament, Jens Herzer, geht dieser Frage in der verdienstvollen Reihe "Biblische Gestalten" kenntnisreich nach. Dass Pontius Pilatus Henker und Heiliger zugleich gewesen sein dürfte, steht bereits im Untertitel seines Buches, "weil er als Richter Jesu mit seinem Urteil und dem Befehl zur Hinrichtung (unwissentlich) zum Heil der Welt maßgeblich beigetragen hat" fasst Harzer zusammen. Er unternimmt im Folgenden den Versuch, Pilatus in seiner geschichtlichen und literarischen Prominenz zu erfassen und die Spannung zu einer "vom Gottesglauben geprägten Deutung der Geschichte Jesu" zur Geltung zu bringen.

Dafür untersucht er kurz und prägnant die historischen und neutestamentlichen Quellen. Das Verhalten des Provinzpräfekten Pilatus gegenüber Jesus, dem Galiläer, sei besonders interessant, da zu dessen Zeit gerade die Galiläer als widerständig gegenüber Rom galten. Als loyaler Beamter habe sich Pilatus zwar dem Druck der Priesterschaft gebeugt, die Jesus politische Umsturzabsichten unterstellte. Daher erscheine dessen Verurteilung eher als eine Präventivmaßnahme, die Pilatus um des politischen Friedens willen traf.

Aus den Pilatusbildern der Evangelien resümiert Jens Herzer andererseits, dass deren Verfasser angesichts sich verschärfender Konflikte mit den Autoritäten des Judentums ihrer Zeit die Verantwortung für den Tod Jesu verstärkt auf die Seite der jüdischen Priesterschaft verschoben hätten und von daher der historische Pilatus nicht wirklich entlastet wird. Dass Pilatus letztlich dennoch Eingang in das Glaubensbekenntnis fand, verdanke er unter anderem seiner Erwähnung im Lukasevangelium außerhalb der Passionsgeschichte in der Apostelgeschichte; sie ebnete den Weg dafür.

In einem letzten Abschnitt des Buches wird das Überschreiben des Pontius Pilatus in der Geschichtsschreibung und seine facettenreiche Darstellung in Kunst, Literatur und Film beleuchtet.
Die detailreiche und mit leichter Hand geschriebene Studie bringt vor allem die Ambivalenz des römischen Prokurators und dessen Einbindung in eine neutestamentlich geprägte Deutung der Geschichte Jesu zur Geltung. Matthias Caffier

Herzer, Jens: Pontius Pilatus. Henker und Heiliger, Evangelische Verlagsanstalt, 280 S., ISBN 978-3-374-06063-4, 20 Euro
Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (0 36 43) 24 61 61

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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