Wort zur Woche
Lichtblick vom Lavafeld
- Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98, Vers 1
„Ich war in den letzten Tagen auf Island unterwegs – einmal rundherum. Eine beeindruckende Insel. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Abenteuer, eine neue Landschaft.
Von Julia Braband
Mal sind es weite Lavafelder, dann wieder grüne Täler, schwarze Strände oder Gletscher. Und immer wieder musste ich an den Wochenspruch denken: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ – Der Beginn des 98. Psalms. Er passt so gut zu Island.
Das Eis der Gletscher knackt mal leise, mal mit voller Wucht, der Wind pfeift über weite Flächen, Wasserfälle rauschen kraftvoll, der Schnee schmilzt mit leisem Plätschern, die Wellen schlagen an den Strand, und die Papageientaucher haben ihre eigenen, fast knurrigen Töne. Alles wirkt wie ein großes Konzert unter freiem Himmel – ein Konzert der wunderbaren Schöpfung, das sich ständig verändert und doch harmonisch bleibt.
Gerade hier habe ich gemerkt, dass Lob nicht immer Worte braucht. Manchmal reicht es, staunend stehen zu bleiben und zuzuhören. Den Moment zu genießen, ohne ihn festhalten zu wollen. Denn die Natur erinnert daran, wie großartig und kreativ Gottes Schöpfung ist. Jeder Wasserfall, jede Eisfläche, jedes Tier und jeder Lichtstrahl erzählen von Schönheit, Kraft und Leben. Selbst die Stille hat ihren eigenen Klang. Immer wieder entstehen neue Lieder.
Auch zurück im Alltag ist das ein guter Gedanke: ein neues Lied. Mit frischem Blick und offenen Ohren durch die Woche gehen. Nicht nur auf Probleme schauen, sondern auch auf das Gute: auf kleine Lichtblicke, auf Menschen, die guttun. Vielleicht kurz innehalten und hören.
So wie Island mit Eis, Gletschern und Wasserfällen Gott lobt, können auch wir unseren Ton finden: mit Freude, Vertrauen und einem offenen Blick. Und vielleicht entdecken wir, dass dieses Lied längst in uns klingt – wir müssen nur wieder mehr hinhören.
Also: "Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut immer und immer wieder Wunder.“
Die Autorin ist Pfarrerin in Erfurt.
Autor:Online-Redaktion |
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