Uni Münster ist Vorreiter
Islamisch-Theologische Fakultät gegründet
- Johannes Wessels, Rektor der Universität Muenster (r.) und Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Direktor des Zentrums für Islamische Theologie und Gründungsdekan
- Foto: epd-bild/Detlef Heese
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Erstmals soll es in Deutschland eine eigenständige Fakultät für islamische Theologie an einer staatlichen Universität geben. Gründungsdekan Mouhanad Khorchide versteht sie als «Leuchtturm für einen aufgeklärten, weltoffenen Islam».
Von Frank Biermann und Holger Spierig
Münster (epd). Die bundesweit erste Islamisch-Theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule entsteht in Münster. Die Universität in der westfälischen Stadt gründe damit auch als erste Hochschule in Europa eine solche Fakultät, erklärte Universitätsdirektor Johannes Wessels. Gründungsdekan ist Mouhanad Khorchide, der bereits Direktor des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität ist. Der neue Fachbereich geht aus dem Zentrum hervor.
Die Fakultät soll zum Wintersemester 2026/27 den Betrieb aufnehmen. Derzeit seien 450 Studierende eingeschrieben, hieß es. Der Beschluss zur Gründung der Fakultät wird laut Universitätsdirektor Wessels im Juli gefasst, die offizielle Gründung ist im Oktober.
Verpflichtung auf zeitgemäßen Zugang zum Koran
In Leitlinien verpflichtet sich die Fakultät unter anderem zur Vereinbarkeit von Glauben und Demokratie, zu einem wissenschaftlichen, zeitgemäßen Zugang zum Koran und einem interreligiösen Dialog. Außerdem grenzt sich die Fakultät gegen Extremismus, Antisemitismus und Islamismus ab. «Wir setzen uns gegen jede Form religiös begründeter Gewalt und Ideologisierung ein», heißt es in den Leitlinien.
Gründungsdekan Khorchide kündigte an: «Wir bilden Multiplikatoren aus, die einen aufgeklärten Islam vertreten und diesen auch in die sozialen Medien tragen sollen.» Damit wolle man ein Gegengewicht zu fundamentalistisch-konservativen Internet-Predigern schaffen. Die Fakultät solle ein «Leuchtturm für einen aufgeklärten, weltoffenen Islam» auf akademischer Ebene sein. Dieser Schritt sei «für viele Muslime in Deutschland ein eindrucksvolles Signal der Anerkennung».
«Historischer Schritt»
Die religionspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lamya Kaddor, bezeichnete die Gründung als «historischen Schritt». Erstmals erhalte die islamische Theologie damit eine institutionelle Verankerung, wie sie für christliche Theologien schon lange selbstverständlich sei, erklärte sie in Berlin.
An der Islamisch-Theologischen Fakultät sollen acht Professorinnen und Professoren islamische Theologie und Religionspädagogik lehren. Standort des neuen Fachbereichs wird der Campus der Theologien und Religionswissenschaften der Uni sein, dessen Eröffnung in den kommenden Monaten geplant ist. Dort werden auch die evangelische und die katholische Theologie angesiedelt.
Weiter hieß es, die neue Einrichtung dürfe ihr Forschungsprofil und das Lehrangebot weiterentwickeln, Prüfungsordnungen formulieren sowie Promotions- und Habilitationsverfahren verantworten. An der Gründung der Fakultät waren nach Angaben der Universität unter anderem das nordrhein-westfälische Kulturministerium, der Senat der Universität sowie der «Konfessionelle Beirat für islamische Theologie» eingebunden. In dem Beirat sind der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und der Islamrat für die Bundesrepublik vertreten.
Autor:Online-Redaktion |

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