Josef Duchač †
Erinnerung an Thüringens ersten Ministerpräsidenten
- Die Landtagswahl in Thüringen am 14. Oktober 1990: Der Spitzenkandidat der CDU für den thüringischen Landtag, der 57jährige Josef Duchac, gibt seine Stimme gegen 10 Uhr in Gotha ab.
- Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1014-304 / Jan Peter Kasper / CC-BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5348117
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Er hat den Freistaat Thüringen mitgeprägt – als erster Ministerpräsident nach Deutschlands Wiedervereinigung: Josef Duchač. Nun ist er im Alter von 88 Jahren verstorben – ein Rückblick auf ein außergewöhnliches Leben.
Josef Duchač (* 1938 in Bad Schlag bei Gablonz an der Neiße, Tschechoslowakei, heute Tschechien) war ein deutscher Politiker (DDR-CDU, ab 1990 CDU). Von 1990 bis 1992 war er der erste Ministerpräsident Thüringens nach der deutschen Wiedervereinigung.
Werdegang
Josef Duchač wuchs als Sohn einer deutschböhmischen Arbeiterfamilie im Sudetenland auf, er war römisch-katholischen Glaubens. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seine Familie aus der Tschechoslowakei vertrieben und fand in Thüringen in Gotha eine neue Heimat.
1961 nahm er an der Ingenieurschule für Gummi- und Plasttechnologie in Fürstenwalde/Spree ein Studium auf, das er 1964 mit dem Examen als Chemieingenieur abschloss. 1964 wurde er Schichtingenieur im VEB Gummiwerke in Waltershausen. Duchač durchlief dort bis 1986 eine Karriere bis zum stellvertretenden Betriebsleiter. Berufsbegleitend absolvierte er ein Fernstudium an der TU Dresden und der TH Leuna-Merseburg und legte 1973 sein Examen als Diplomingenieur-Ökonom ab.
Duchač trat nach eigenen Angaben 1957 in die CDU der DDR ein. Von 1986 bis 1989 war er stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU in Gotha, wechselte vom VEB Gummiwerke in Waltershausen in den Rat des Kreises Gotha, wo er für das Ressort Wohnungswirtschaft zuständig war. In den Turbulenzen der Wendezeit stieg er im Oktober 1989 zum Kreisvorsitzenden der CDU in Gotha auf und wurde im Dezember 1989 Mitglied des Vorstands der CDU der DDR.
Nachdem die von der SED eingesetzte Betriebsführung des VEB Gummiwerke in Waltershausen abgelöst worden war, kehrte Duchač in seinen alten Betrieb zurück und übernahm zum 1. Januar 1990 die Leitung des Werkes.
Stationen als Politiker
Am 11. Juni 1990 ernannte der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU) Duchač zum Regierungsbevollmächtigten im Bezirk Erfurt. Als mit dem Ländereinführungsgesetz vom 22. Juli 1990 das Land Thüringen wieder errichtet wurde, wurde Duchač am 24. August 1990 zum Landessprecher für dieses neu zu bildende Land ernannt.
Ab dem 3. Oktober 1990 fungierte er als Landesbevollmächtigter des Landes Thüringen, das sich am 3. Oktober 1990 neu konstituierte. Er war damit der einzige der fünf Landesbevollmächtigten, der im Anschluss Ministerpräsident wurde.
Aus der ersten freien, demokratischen Wahl zum Thüringer Landtag ging die CDU mit Josef Duchač als Spitzenkandidat mit 45,5 Prozent als die mit Abstand stärkste Partei (44 der 89 Sitze) hervor, gefolgt von der SPD mit 22,8 Prozent (21 Sitze), der PDS mit 9,7 Prozent (neun Sitze), der FDP mit 9,3 Prozent (neun Sitze) und Bündnis 90/Die Grünen mit 6,5 Prozent (sechs Sitze). Duchač gewann das Direktmandat im Wahlkreis Gotha II.
Am 8. November 1990 wurde er zum Ministerpräsidenten einer CDU-FDP-Koalitionsregierung gewählt und bildete das Kabinett Duchač. Er und sein Kabinett standen vor der Aufgabe, das Land Thüringen in die Bedingungen von parlamentarischer Demokratie und Marktwirtschaft zu überführen und dazu einen völlig neuen Regierungs- und Behördenapparat aufzubauen. Als Erfolge seiner Amtszeit werden die Ansiedlung von Opel Eisenach, die Verpflichtung des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth als Geschäftsführer der Jenoptik und der Anstoß für den späteren Umzug des Bundesarbeitsgerichtes nach Erfurt genannt.
Im Januar 1992 trat Duchač – nach Medienberichten zu vermeintlicher Stasi-Verstrickung und nach kabinettsinternen Querelen – als Ministerpräsident zurück, sein Nachfolger wurde am 5. Februar 1992 Bernhard Vogel. Am 30. November 1992 legte er sein Landtagsmandat nieder.
Nach der Politik
Nach dem Ende seiner politischen Karriere in Thüringen übernahm Duchač nacheinander die Leitung der Auslandsvertretungen der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Lissabon (Portugal), St. Petersburg (Russland) und Budapest (Ungarn).
Er lebte im Ruhestand in Birkenwerder bei Berlin. Nach einem im Jahr 2015 erlittenen Schlaganfall war er erblindet. Duchač starb am 23. Oktober 2026 im Alter von 88 Jahren.
Autor:Holger Zürch |

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