Predigt
Gott leidet mit uns
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 1.Petrus 2, Vers 24b
Petrus zitiert aus dem Buch des Propheten Jesaja, um den Christen in Kleinasien Trost zu zusprechen. All das Leid, das die Christen erleiden, wird nicht erklärt oder klein geredet, sondern mit Jesus am Kreuz verbunden.
Von Friedemann Liebscher
Petrus will sie damit lehren, neu zu sehen. So wie bei Jesaja die Menschen den Gottesknecht aufgrund seiner Leiden von Gott als verworfen ansahen, dann aber überrascht feststellen, dass gerade in diesem geschlagenen und misshandelten Menschen Gott gegenwärtig ist. So sollen auch die Christen in ihrem Leid die Gemeinschaft mit Christus erkennen. Gott ist im Leid nicht nur anwesend, er leidet selbst mit uns.
Ich werde heil, da wo ich Jesus an seinem Kreuz ansehe und mich selbst in seinen Wunden sehen kann: in den Momente, in denen ich mich allein gelassen gefühlt habe oder andere Gewalt über mich hatten, wo ich verletzt wurde.
Er stößt mich nicht weg. Er verachtet mich nicht. Er macht nicht viele Worte und versucht nicht, Dinge zu erklären, die nicht in Worte zu fassen sind. Er sieht mich an und erkennt mich. Er nimmt mich an, meine Wunden. Er trägt sie selbst. Er hat sie erlitten. Er leidet in mir, und so bin ich in aller Finsternis und allem Schmerz doch nicht gottverlassen. Da ist Gott, der mich kennt. In diesem Nahe-Sein Jesu, in der Berührung seiner Hand werden meine Wunden heil. Nicht in der Erklärung des Leids, sondern in diesem Jesus, in der Verbindung mit seinem verwundeten Leib liegt Heil.
Erlebbar wird das für mich immer wieder, wenn ich zu Sterbenden gerufen werde, die noch einmal das Abendmahl empfangen wollen. Selten gibt es dabei lange Gespräche, oft sind sie auch gar nicht mehr möglich. Und doch geschieht Heil im Empfangen von Brot und Wein, Leib und Blut Jesu. Der Sterbende wird geborgen in Jesus. Sein ganzes Leben mit Freude und Schmerz, Versagen und Gelingen, mit allen Wunden wird mit Gott heilsam verbunden.
Der Autor ist Pfarrer in Marienberg.
Autor:Online-Redaktion |
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