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Gott kommt nie zu spät

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19, Vers 10

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als die Nachricht kam, dass mir eine Freundin die Freundschaft aufgekündigt hatte. Schmerzhaft war das. Missverstanden zu werden, Fehler gemacht und zu wenig zugehört zu haben.

Von Dorothea Heller

Jemanden zu verlieren, das kann sehr schwer sein. Wenn auch die meisten Dinge heutzutage ersetzbar sind, Menschen sind es nicht. Vor allem nicht die, die wir durch den Tod verloren haben. Der ist endgültig, zumindest in dieser Welt. Manchmal gehen Familien, Beziehungen oder Freundschaften aufgrund von erschreckend banalen Streitigkeiten kaputt. Dann verliert man einen Menschen, obwohl er noch da ist. Mich macht es jedes Mal traurig, wenn ich am Krankenbett von solchen scheinbar unüberbrückbaren Konflikten höre. Gerade dann, wenn es Kleinigkeiten sind, die einen Streit verursacht haben, wünschte ich, Menschen würden bedenken, dass es auch ein „zu spät“ gibt. Dann, wenn Menschen irgendwann für immer gehen, manchmal plötzlich und unerwartet. Keine Chance mehr auf Versöhnung.

Immer wieder sind es auch echte, schwere Verletzungen, die einer Trennung vorausgehen. Dann sind wir Menschen manchmal nicht in der Lage, um Verzeihung zu bitten oder auch zu verzeihen. Und dann gehen einem wichtige Menschen im Leben verloren. Bei Gott ist das anders. Gott hält den Kontakt, egal wie sehr wir ihn enttäuschen. Gott macht sich sogar auf die Suche nach denen, die gar nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Er drängt sich nicht auf, aber er ist da und hilft. Dieses Versprechen gilt nicht nur am 3. Sonntag nach Trinitatis, aber an diesem Sonntag legt der Wochenspruch den Fokus darauf, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, um uns zu sagen: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." Und mit seiner Hilfe bin ich vielleicht in der Lage, einen Menschen um Verzeihung zu bitten oder zu verzeihen. Denn: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ So hat es der Menschensohn versprochen.

Die Autorin ist Pfarrerin und Klinikseelsorgerin in Weimar.

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Dorothea Heller | Foto: D. Heller
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