Wort zur Woche
Glauben ist anders – kampflos überwinden

Pastorin Babet Lehmann, Klinikseelsorgerin am Universitätsklinikum Jena
  • Pastorin Babet Lehmann, Klinikseelsorgerin am Universitätsklinikum Jena
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Online-Redaktion

Wort zur Woche Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5, Vers 4

Wir haben ihn verloren“, sagt die Notärztin. Erschöpft blickt sie in die Runde derer, mit denen sie versucht hat, ein Leben zu retten. Sie haben alles getan, gekämpft und dann doch verloren. Der Tod als Niederlage, eine Szene in einer amerikanischen Arztserie.
Auch in der Realität eines hiesigen Krankenhauses höre ich oft ähnliche Sätze: „Ich hatte den Krebs schon einmal besiegt. Nun ist er wieder da. Ich muss kämpfen." Der Mann richtet sich, während er das sagt, im Bett auf. Die Krankheit ist ein unsichtbarer Gegner in seinem Körper.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Begriffe vom Kämpfen und Siegen in diesem Zusammenhang wirklich passend sind. Ich übersetze sie mir in „das Leben nicht aufgeben, sich nicht aufgeben“. Damit kann auch gemeint sein: Ich mobilisiere Kräfte, von denen ich gar nicht wusste, dass sie in mir stecken. Es gibt Situationen, in denen all das nichts mehr ändert und der Kraftakt darin besteht, anzunehmen, was ist.
Vielleicht liegt mein ungutes Gefühl an meiner Kindheit und Jugend in der DDR. Die Schulzeit war ein einziger Wettkampf mit Wandzeitungen der Besten und Kindern, die Teil einer Art internationalen Kampfgruppe für eine gute Sache sein sollten. Meine Gegenwelt war der alte Pfarrhof, eine wunderbare Villa Kunterbunt und Eltern, die uns drei Kinder spüren ließen, dass wir gut genug waren.
Ein Blick in die Bibel zeigt, dass nicht nur in unserem Wochenspruch eine kämpferische Sprache gesprochen wird. Da ist die Rede von Waffenrüstungen und Waffen – auch im Zusammenhang mit dem Glauben. Und doch ist es ganz anders gemeint. Nicht wir sind es, die in den Kampf ziehen müssen. Die Sache ist schon entschieden. Ein anderer hat das für uns erledigt. Wir, die wir so oft meinen, uns würde nichts geschenkt in diesem Leben und wir müssten uns alles selbst erkämpfen, dürfen uns beschenken lassen. Mit unserem Glauben, diesem Geschenk, können wir überwinden, was uns in dieser Welt krank macht.

Pastorin Babet Lehmann, Klinikseelsorgerin am Universitätsklinikum Jena

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.