Predigt
Gegen die Müdigkeit
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke , die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40, Verse 29+31
»Müde. Alle sind ständig müde, und die Müdigkeit nimmt immer neue Formen an: Es gibt die ,Ukraine-Müdigkeit‘, die ,Klimamüdigkeit‘ (ist doch eh alles zu spät), die ,Mitleidsmüdigkeit‘ (nach den Opfern Putins jetzt auch noch die im Nahen Osten).
Von Bernd Prigge
Die ,Demokratiemüdigkeit‘ hat ohnehin Dauerkonjunktur (weil Aushandeln anstrengender ist als blindlings folgen). Und wer diesen Begriffen nicht in den Medien begegnet, weil er nichts hört, sieht, liest? Der ist nachrichtenmüde. Das Zeitalter der Polykrise ist auch eines der Polymüdigkeit.« So war vor einiger Zeit in der Wochenzeitung "Die Zeit" trefflich zu lesen.
Wer ist nicht erschöpft in diesen Zeiten? Jesaja kennt das. Auch Gottes Volk war im babylonischen Exil ermattet vor lauter Hoffnungslosigkeit, musste getröstet und wieder aufgebaut werden.
So sendet auch uns der Prophet zur richtigen Zeit erbauliche Zeilen: Er gibt neue Kraft den Abgeschlagenen. Der mächtige und kraftvolle Gott schenkt neue Stärke und Lebendigkeit, so sagt Jesaja. Wie?
Ich kann mich an die Glaubenssätze von Dietrich Bonhoeffer halten: Vertraue darauf, dass Gott „aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“. In finsteren Zeiten gibt Gott dir die nötige Widerstandskraft, jedoch „nicht im Voraus“, damit du dich allein auf ihn verlässt. Auch Fehler und mentale Überlastung sind nicht sinnlos – sie sind Teil deines Weges, stehe dazu, denn Gott weiß damit umzugehen. Selbst dein Gefühl der Vergeblichkeit ist nicht umsonst, sondern kann in Gottes Händen Bedeutung gewinnen. Schließlich hört Gott auf „aufrichtige Gebete“ und verantwortliches Handeln.
Hilde Domin formuliert es im Sinne Jesajas: Nicht müde werden, / sondern dem Wunder / leise / wie einem Vogel / die Hand hinhalten.
Der Autor ist Augustinerpfarrer in Erfurt.
Autor:Online-Redaktion |
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