Predigt
Eine Frage des Geschmacks
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, … iss diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! … Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig. Hesekiel 3, Verse 1 und 3
Verspeisen Sie jetzt nicht die Kirchenzeitung. Sie wird nicht honigsüß schmecken. Lesen Sie einfach mit Interesse. Eine Schriftrolle könnte im Halse stecken bleiben, doch nicht dem Propheten Hesekiel. Gottes Wort hat heilige Substanz und schmeckt honigsüß.
Von Matthias Seifert
Der Prophet legitimiert seine Botschaft: Was ich rede, was ich bin, ist nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen. Das, was ich aufgenommen habe, Gottes Wort, ist in mir verdaut, verarbeitet, umgewandelt zur prophetischen Rede, die ich anzusagen habe.
Das Wort Gottes ist mehr als ein Text zur Betrachtung oder Kommentierung. Es will geschluckt und verinnerlicht werden. Es will Teil des Körpers sein. Erst dann darf es wieder herauskommen als Stimme und Tat.
Die Bibel weiß: Sprache ist nicht bedrucktes Papier, Sprache ist Nahrung und Ursprung der Schöpfung. Darum schmeckt die Schriftrolle honigsüß. Nicht weil sie harmlos wäre, sondern weil sie Leben beflügelt, Entwicklungen in Gang setzt, heilt und tröstet. Honig ist die heilige Gabe der Bienen, hebräisch: DeBoRa. Aus der gleichen Sprachwurzel ist DaBaR (Wort) gebildet.
„Das Wort ward Fleisch“: Mit Gott wirkmächtig verbunden leben ist das Geheimnis des Glaubens.
Wie steht es um unsere Wort-Nahrung? Welche Informationen nehmen wir auf? Womit füllen wir unser Inneres? Sind unsere bewährten Worte haltbar in den Medienfluten?
Zurzeit erfahren „Lebensmittelretter“ gesellschaftliche Akzeptanz. Bedarf unsere Kirche und Gemeinde vielleicht auch so etwas wie „Wort-Retter“? Gutes Wort bewahren, aufnehmen, verinnerlichen: Es lässt sich ein Leben lang davon zehren. „Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.“
Der Autor ist Pfarrer i. R., aus Bülzig.
Autor:Online-Redaktion |
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