Predigttext zum Sonntag
Ein Wort der Hoffnung

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Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.
5. Mose 30, Vers 14

Welch eine wunderbare Aussage! – Aber ist das wirklich so? Erfahre ich nicht täglich das Gegenteil? Erlebe ich Gott und sein Wort nicht oft unendlich fern – angesichts von Krieg und Umweltzerstörung, Schmerz und Leid, bei Schicksalsschlägen, in schweren Zeiten? Da kommt mir Gottes Wort unendlich schwer über die Lippen, weil Angst und Trauer, manchmal auch Wut mich sprachlos machen.

Im Predigttext für den Sonntag ist von Gottes Gebot die Rede, also vom Wort der Thora, dem mosaischen Gesetz. Für uns lutherische Protestanten klingt das in der Tat nach Gottesferne. Durch das Gesetz werden wir auf die Erkenntnis unserer eigenen Sündhaftigkeit zurückgeworfen. Als Menschen, die von Haus aus dem Willen Gottes nicht gerecht werden, da wir ihn aus eigener Kraft nicht vollbringen können – auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Doch im Text heißt es: „Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.“ (Vers 11)

Wir brauchen, so die Zusage, nicht in den Himmel oder über das Meer zu fahren, um es zu holen. Sondern es ist ganz nahe bei uns – in unseren Herzen. Im Neuen Testament überträgt der Apostel Paulus diesen alttestamentlichen Zuspruch der Gottesnähe auf das Evangelium. In seiner Rede über die bleibende Erwählung Israels zitiert er genau diese Stelle (Römer 10, Verse 5-10), indem er das Wort der Thora mit dem Wort des Glaubens identifiziert: In Christus kommt Gott uns als der liebende Gott ganz nahe. In Christus wird deutlich, dass Gottes Gebot das Wort ist, das er in unsere Herzen gegeben hat und das er gebraucht, um uns in eine vertrauensvolle Gottesbeziehung zu führen.

Somit wird deutlich, dass Gottes Gebot dasjenige Wort des Glaubens ist, das Gott uns schenkt und uns dadurch seiner Nähe gewiss macht. Sowohl bei Mose als auch bei Paulus bleibt es Gottes Gnade vorbehalten, dem Menschen sein Wort ins Herz und in den Mund zu legen und ihn auf diese Weise Gottes Nähe erfahren und bezeugen zu lassen.

Darin bleibt dieser Predigttext ein Hoffnungswort: Auch in Leid und Schmerz, im Gefühl größter Gottverlassenheit bleibt Gott uns nahe: Er erweist sich als Gott, der sein Wort und damit sich selbst in unsere Herzen gibt, sodass sein Gebot im Glauben für uns zum Trost und Beistand wird.

Frank Manneschmidt, Superintendent des Kirchenbezirkes Chemnitz
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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