Konzentration und Weite: Michael Trowitzsch erzählt »Vom Fährmann der Zeit«
Ein Teppich aus Worten, Bildern und Metaphern

Trowitzsch, Michael: Christus allein. Vom Fährmann der Zeit, Evangelische Verlagsanstalt, 320 S., ISBN 978-3-374-05509-8, 15 Euro
  • Trowitzsch, Michael: Christus allein. Vom Fährmann der Zeit, Evangelische Verlagsanstalt, 320 S., ISBN 978-3-374-05509-8, 15 Euro
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Theologische Bücher gibt es viele. Solche wie das aktuelle von Michael Trowitzsch nicht. Hier wird nicht langwierig abgewogen und dann doch alles offen gelassen. Hier wird klar geredet: »Christus allein«, und existentiell. Denn der emeritierte Jenaer Theologieprofessor betrachtet nicht aus der Ferne, sondern wagt sich ins Getümmel. So rührt sein Büchlein an. Es erbaut, im besten Sinne. Es ermöglicht Resonanz. Plötzlich sitze ich mit den Frauen am Grab und bin zutiefst erschrocken über den Engel. Anderswo werde ich gelassen. »Weil ein Barmherziger von Anbeginn da ist und unter allen Umständen dabeibleibt, weil er uns … entgegenkommt und am Ende als getreuer Fährmann am Ufer auf uns wartet, uns ins Boot holen und übersetzen wird.«
Das Buch ist für die Gemeinde geschrieben. Es ist eine Sammlung von Vorträgen, Predigten und Meditationen. Ganz ohne Fußnoten. Gut zu verstehen. Aber es vereinfacht nicht: Es weiß von den Abgründen des Lebens, nimmt einen Blick in die Tiefen des Daseins – und unserer Zeit, die der Autor schonungslos entlarvt. Er spießt sie geradezu auf – die Aporien unserer selbstreflexiven Moderne. Das macht die Zeitbezogenheit und Aktualität aus. Aber sonst ist das Büchlein merkwürdig geschichtsvergessen: Es gibt nichts auf die modischen Trends, die kommen und gehen. Insofern ist Trowitzschs Werk auch trotzig – und ein bisschen stur.
Man könnte die Ausführungen auch als Bibelmeditationen verstehen. In die vielen biblischen Bezüge streut der Autor Schätze aus Poesie und Prosa ein. So entsteht ein Teppich aus Worten, Bildern und Metaphern. Etwas für Sprachästheten. Man kann die einzelnen Wendungen auch für sich meditieren. Verharren. »Vom Fährmann der Zeit« ist ein Steinbruch: es reicht, einige Seiten zu lesen und wirken zu lassen. Konzentration und Weite stellen sich überall ein. Dem Buch sind viele Leser zu Wünschen. Es tut gut. Ehrlich.
Thomas Schlegel

Trowitzsch, Michael: Christus allein. Vom Fährmann der Zeit, Evangelische Verlagsanstalt, 320 S., ISBN 978-3-374-05509-8, 15 Euro

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