Predigt
Die Frage nach der Schuld
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Johannes 9, Vers 1
Die Welt fragt immer nach dem Grund. Warum ist das so? Wer hat Schuld daran? Die Frage brennt ihre Spur durch die Welt. Rußgeschwärzt. Wer hat Schuld – am Klimawandel, Schuldenberg, an all dem, was vor mir geschah? Wer hat Schuld?
Von Kristin Jahn
Eine Frage, dunkel wie die Finsternis. Eine Frage, die ausgrenzt und abgrenzt. Früher dachte man, ein Blinder, der hat Schuld auf sich geladen. Gott hat ihn bestraft. Aber Jesus sagt: nix da.
Keiner hat Schuld. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Er nimmt das Wasser des Lebens und den Staub, von dem wir gemacht sind und mischt daraus einen heilenden Brei.
Die Welt fragt immer nach dem Grund. Jesus fragt nach dem Leben, berührt die Wunde des Blinden, diese finsterste Stelle. Die Urteile und Vorurteile. Lass alles hinter Dir. Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – denn du bist gesandt, und wasche dich!
Ich mag Menschen, die das Leben mit mir suchen. Ich mag Menschen, die nicht hängen bleiben in den Ästen und Ängsten von gestern. Ich mag Menschen, die Himmel und Erde verbinden: das Wasser des Lebens und den Staub, der wir sind und wieder werden.
Ich mag Menschen, die nach Lösungen fragen und die Schuldfrage hinter sich gelassen haben. Nichts wird heller davon, wenn Du immer wieder auf dem Gestern des Unglücks herumreitest wie auf einem toten Pferd. Lasst uns den Staub abwischen mit dem Wasser des Lebens.
Geh baden, geh baden in der Zuversicht: Du bist gewollt und gesandt, sagt Jesus zu dem Blinden, du bist ins Leben gesandt. Wasch dich, lass hinter dir, was andere von dir sagen. Wasch alles ab, was deine Zukunft verfinstert hat. Wirf es ins Wasser.
Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.
Die Autorin ist Pfarrerin und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.