Wort zur Woche
Das Gotteslob findet immer einen Atemweg

 Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Psalm 98, Vers 1

Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Ich bin jetzt nicht beim falschen Kirchenjahressonntag gelandet, sondern genau beim Predigttext des Sonntags Kantate im Corona-Jahr zwei. Eine Reform der für die Gottesdienste vorgegebenen Bibeltexte bringt uns für 2021 einen Bericht, in dem keine Rede ist vom schönen Singen. Lesen Sie es nach bei Lukas 19, in den Versen 37 bis 40: Keine Motetten-Aufführung. Kein brausender Chor. Keine wohlklingende Arie. Stattdessen: Menschen, die Gott loben – und andere, die sich über dieses Gotteslob entrüsten.
Und was sagt Jesus zu denen, die sich entrüsten? Genau: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Das Gotteslob findet immer einen Atemweg. Eine unverhofft geöffnete Kirche, in die ich eintreten, eine Kerze anzünden und beten kann. Das Zögern meines Gegenübers. Er ahnt, dass ich genau jetzt sein Schweigen brauche. Seinen offenen Blick, der mein Leid sieht und nicht verdrängt. Ein berührendes Gespräch – am Telefon oder bei einem Spaziergang. Ein kräftig mitgesungenes Lied – vor dem Bildschirm –, wieso nicht?
Wer ist dieser Herr, den zur Not auch die Steine loben? Von Martin Luther wurden die vier Konsonanten des hebräischen Gottesnamens mit „Herr“ übersetzt. Im Hebräischen: JHWH. Ein Hauch, ein Atem, der durch die Kehle strömt: „… werde mit euch sein“. (2. Mose 3,14)
Der Prophet Elia hört am Horeb „eine Stimme verschwebenden Schweigens“ (1. Kön 19,12 in der Übersetzung von Buber/Rosenzweig). Lasst den Atem strömen für den, von dem der Atem kommt. Das ist das Gegenteil jener Entrüstung, die permanent nach Luft schnappt: die einen, weil Staat und Kirchen angeblich viel zu hysterisch-vorsichtig sind, und die anderen, weil die Infektionsschutzmaßnahmen angeblich noch viel zu lasch sind.
Singet, summet, atmet ein und atmet aus für den, den sogar die Steine loben. Das Gotteslob findet immer einen Atemweg.

OKR André Demut, Evangelisches Büro, Erfurt

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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