Wort zur Woche
Das Erwartbare durchbrechen

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2, Vers 8

Gnade – was steckt für mich in diesem Wort? Als Gnade erfahre ich die überraschenden Momente, in denen sich etwas ohne mein Zutun löst.

Von Stefan Wohlfarth

Es kommt etwas hinzu, das die Situation wandelt: Eine freundliche Geste mit einem Lächeln, das mich aus der Anspannung löst und zurücklächeln lässt. Eine unerwartete beglückende Begegnung, die mich leicht und beschwingt macht. Ein lösendes Wort in der Ausweglosigkeit.

Der Theologe Paul Tillich hat es einmal so beschrieben: „Die Gnade trifft uns, wenn wir in großer Qual und Unruhe sind. Sie trifft uns, wenn wir durch das finstere Tal eines sinnlosen und leeren Lebens gehen. Sie trifft uns, wenn der Ekel an unserem eigenen Sein, an unserer Gleichgültigkeit, unserer Schwachheit, unserer Feindseligkeit, unserem Mangel an zielbewusstem Leben unerträglich geworden ist."

Die Gnade erreicht uns also oft gerade am Tiefpunkt, wenn alles zerschlagen erscheint und die Zwänge übermächtig zu werden scheinen.

Gnadenhaft erscheint mir auch, wo sich mein Geist für neue Zusammenhänge oder neues Erkennen öffnen konnte und ich spüre: Ich bin nicht in meinen Mustern und meinen Verhängnissen gefangen.

„Zuweilen", so bekennt Tillich, „bricht in einem solchen Augenblick eine Welle von Licht in unsere Finsternis ein, und es ist, als ob eine Stimme sagte: Du bist dennoch bejaht!“ Es gibt die gnadenhaften Momente, die uns erinnern, wie angewiesen wir sind auf Menschen, Dinge, Widerfahrnisse, die ohne unser Zutun geschehen und die das Erwartbare und Unausweichliche durchbrechen.

Aber es gibt auch so ein im Glauben begründetes Wissen: Ich lebe aus Gnade. Ich bin im „Gnadenstand“.

Die Gnade Gottes ist ein unverfügbares Gut. Wir können uns offen halten für ihr Wirken, wie ein Gefäß, das für den Regen aufgestellt ist. Und wenn sie überraschend über uns kommt, können wir sie dankbar empfangen, bestaunen und in unserem Leben fruchtbar werden lassen.

Der Autor ist Pfarrer in Drübeck.

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Pfarrer Stefan Wohlfarth | Foto: S. Wohlfarth
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Online-Redaktion

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