Hintergrund
Confessio Augustana: Die Debatte um den umstrittenen Artikel 16

Pröpstin Friederike Spengler

Die Confessio Augustana (CA) wurde im Jahr 1530 von Philipp Melanchthon und Johannes Brenz für den Reichstag von Augsburg verfasst und galt als grundlegendes Bekenntnis der lutherischen Reichsstände zu ihrem Glauben. Auf die CA werden bis heute protestantische Pfarrerinnen und Pfarrer in lutherischen Kirchen weltweit ordiniert. In dem von Pröpstin Friederike Spengler kritisierten Artikel 16 "Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment" heißt es unter anderem, dass Christen "Übeltäter mit dem Schwert bestrafen" und "rechtmäßige Kriege führen" könnten. Der Artikel drückt auch die damalige Kritik am Pazifismus der Täufer aus.
Bereits 1992 veröffentlichte der Internationale Versöhnungsbund einen Aufruf, der eine Abkehr von Artikel 16 CA forderte. Im November 2019 brachte Friederike Spengler, Regionalbischöfin von Gera-Weimar, das Thema öffentlichkeitswirksam zur Sprache. Während der Generalsynode der VELKD zitierte die Synodale Spengler in der Aussprache zum „Frieden als Thema der lutherischen Ethik des Politischen“ Artikel 16 CA kritisch und unterstrich, „dass wir an diesen Text ransollten“.
In ihrem Beschluss vom 9. November bittet die Generalsynode „die Kirchenleitung, den Theologischen Ausschuss damit zu beauftragen, ›Frieden als Thema lutherischer Ethik‹ weiter zu bearbeiten und dabei insbesondere den 16. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses unter den Bedingungen der Gegenwart zu diskutieren.“
Ungeachtet der Aussprache und des Beschlusses der VELKD-Generalsynode brachte Friederike Spengler als Mitglied der EKD-Synode dasselbe Anliegen auch auf der folgenden EKD-Synodentagung ein. Sie mahnt, dass Artikel 16 CA um des Verhältnisses zwischen lutherischen Kirchen und Mennoniten willen in einem neuen Licht gesehen werden müsse: „Ist es nicht endlich an der Zeit, diesen Glaubenssatz zu revidieren?“ Die Synode solle daher beschließen, so ihr Antrag, dass die Theologischen Ausschüsse von VELKD, UEK und EKD „das Thema einer Revision bzw. einer Kommentierung der CA 16 beraten und der Synode einen Vorschlag unterbreiten“ mögen.
Die EKD-Synode beschloss daraufhin am 13. November: „Die Synode der EKD bittet die zuständigen Gremien der EKD, in der weiteren friedensethischen Arbeit die Ergebnisse der theologischen Auslegung von CA 16 durch die Gliedkirchen und die gliedkirchlichen Zusammenschlüsse aufzunehmen.“ Die Berichte über Spenglers Vorstoß, erstmals durch die katholische Nachrichtenagentur kna am 12. November, hatten eine zum Teil entrüstete Kon-troverse ausgelöst. In der Ausgabe der Kirchenzeitung zum 24. November legt die Pröpstin ihre Beweggründe dar: "Wir wollen ›Kirche des gerechten Friedens‹ sein (…). Klar, wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Auf diesem Hintergrund will ich als lutherische Theologin den Reformator ernstnehmen, und deshalb geht es mir unbedingt um die Sache! Ich bitte darum, dass wir einen Dialog zwischen unseren friedensethischen Grundsätzen und entsprechenden Aussagen in CA 16 führen, ›Re-vision‹ – übersetzt: ›wieder ansehen‹. Wie eine Kommentierung aussehen kann, darum möge mit Leidenschaft gestritten werden."
(Quellen: Michael Germann, G+H) Hintergrund

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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