Freiwilligendienst
Das Kinderlachen von Porto Allegre

Foto: Miriam Borowsky
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Als in der 12. Klasse am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt die letzten Schulmonate begonnen hatten, habe ich mir die Frage gestellt: Was kommt danach – Studium oder doch ein freiwilliges Jahr im Ausland? Da mir als Protestantin Nächstenliebe und Solidarität wichtig sind, habe ich mich für einen Freiwilligendienst über das Gustav-Adolf-Werk Württemberg entschieden.

Von Miriam Borowsky

Im Vergleich zu Konzepten wie "Work and Travel" oder einer Zeit als Au-pair hat mich die Kombination aus Struktur, Sinn und sozialer Arbeit überzeugt.
Meine Motivation entstand aus dem Wunsch, nicht nur zuzusehen, sondern mitzuwirken. Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen in einem ganz anderen Lebensumfeld? Als ich die Zusage für meine Einsatzstelle in Südbrasilien bekommen habe, war die Freude groß. Gleichzeitig war da aber diese Unsicherheit: Schaffe ich das ganz allein, so weit weg von zu Hause?
Im Alltag arbeite ich mit Kindern in der Einrichtung Eugênia Conte in einem Armenviertel in Porto Alegre. Mich begleitet eine Mischung aus Nähe, Chaos, Lachen und manchmal Überforderung: Wie erklärt man Regeln, wenn Worte fehlen? Wie reagiert man, wenn viele gleichzeitig Aufmerksamkeit brauchen? Trotzdem gibt es Momente, die alles tragen: ein Kind, das Vertrauen fasst, viel Lachen und die Freude über Kleinigkeiten.
Stark sind die Unterschiede, die man im Alltag sieht: Warum wächst das eine Kind mit so wenig auf, während andere mehr Möglichkeiten haben? Diese Frage lässt mich nicht los. Viele Familien leben mit sehr wenig Geld, die Ungleichheit ist spürbar und oft zu sehen.
Die Menschen hier sind offen, direkt und herzlich. So schnell kann ein fremder Ort sich plötzlich vertraut anfühlen. Das gibt mir Halt, gerade an Tagen, die schwerer sind.
Mein Glaube zeigt sich weniger in Worten, mehr im Tun. Vielleicht ist tätige Nächstenliebe genau das: nicht darüber reden, sondern einfach machen. Was meine Generation betrifft, frage ich mich oft: Reicht es, informiert zu sein, oder müssen wir auch handeln? In einer Zeit voller Krisen scheint mir ein Freiwilligendienst genau das zu sein: Ein Versuch, nicht nur eine Meinung zu haben, sondern Haltung zu zeigen.
Am Ende bleibt vor allem eines: Diese Erfahrung verändert den Blick: auf andere Menschen mit den verschiedensten Kulturen, auf Ungleichheit, und auf das eigene Leben. Und genau das ist der größte Gewinn. Man lernt, genauer hinzusehen. Miriam Borowsky
ist 19 Jahre alt und kommt aus Erfurt.
Foto: M. Borowsky Tätige Nächstenliebe ist genau das: nicht darüber reden, sondern machen.

Foto: Miriam Borowsky
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Online-Redaktion

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