Auch im Iran immer häufiger: Der Blick gen Westen

Von Paul-Philipp Braun

Die Liste ist lang und sie wird länger. Kuba, Algerien, Saudi-Arabien: Stück für Stück erfolgt die Liberalisierung. Zunächst von wirtschaftlichen Interessen geleitet, bringt sie immer auch ein kleines Stück Freiheit für die Einzelnen mit sich.
Im Moment scheint der Iran von dieser Liberalisierung des Alltags noch weit entfernt zu sein. Frauen müssen weiterhin ihr Haar durch ein Kopftuch oder einen Schleier verdecken, der Verkauf von Alkohol und dessen Konsum sind unter Androhung drakonischer Strafen verboten, und von einem freien Internet kann wegen der strikten Medienzensur nicht im Ansatz die Rede sein. Doch wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Im digitalen Zeitalter erst recht.
Und so können viele Iraner dank verschiedener halblegaler Programme schon jetzt sehen, was außerhalb ihres 80-Millionen-Staates geschieht. Oder anders: Sie sehen, was im eigenen Land alles nicht geschieht – oder zumindest nicht funktioniert.
Es wundert also nicht, dass Europäer, besonders Deutsche, die im Land unterwegs sind, immer wieder angesprochen werden. Meist herzlich, meist sogar mit einer Einladung auf Tee, Gebäck und ein sehr offenes Gespräch. Denn die Iraner sind nicht nur freundlich, sondern neugierig. Sie wollen nicht nur aus dem Netz erfahren, was „im Westen“ so los ist. Sie wollen wissen, wie das Leben im kalten, aber wirtschaftlich stabilen Deutschland ist oder wieso man in den Iran kommt. Und ganz oft wollen sie einfach „danke“ sagen. Dafür, dass man sich nicht von medialen Berichten, den Twitter-Drohungen eines irren US-Präsidenten abschrecken lässt.
Und hin und wieder sagen sie, dass sie gern auch auf der langen Liste stünden.

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