Anpacken und vom Leben lernen
Drei Kirchenmänner auf der Walz

René Thumser, Andreas Gerschel und Werner Brunngräber (v.l.) auf der Diakonischen Walz  | Foto: René Thumser
  • René Thumser, Andreas Gerschel und Werner Brunngräber (v.l.) auf der Diakonischen Walz
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„Arbeiten gegen Kost und Logis“ – mit diesem Vorhaben starteten René Thumser, Andreas Gerschel und Werner Brunngräber im vergangenen August in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Drei Monate gemeinsam unterwegs sein, ohne genaue Planung und die gewohnte Sicherheit. Hält das ihre Freundschaft aus? Wie lösen sie Konflikte? Welche Mitarbeit könnten sie anbieten? Wie finden sie Menschen, die sich auf das „Arbeiten- für-Unterkunft-Konzept“ einlassen? Wo schlafen sie, wenn niemand sie aufnimmt? Welche Leute werden sie treffen?

Von Ines Rein-Brandenburg

Ihre Erfahrungen teilten sie erstmals öffentlich in Arnstadt. Die Zuhörerschaft verteilt sich kleinräumig rund um den Billardtisch auf den zurechtgerückten Stühlen, Sesseln und Sofas des Jugendtreffs Ried 13. Andreas „Gerschi“ Gerschel erzählt. René Thumser und Werner Brunngräber haben Gitarren dabei und geben musikalische Einlagen. Es hat etwas von Lagerfeuer-Stimmung, passend zum Thema.

An einem heißen Augusttag 2025 starteten die drei mit dem Bahn-Deutschlandticket nach Schweinfurt: „Erst mal raus aus Thüringen, da kennen uns zu viele Leute.“ Eine Art Sackkarre, bepackt mit Reiseutensilien, Zelt und zwei Gitarrenkoffern, zog immer wieder die Blicke an. Menschen wurden neugierig und fragten: „Was seid ihr denn für komische Vögel?“ Diakonie, Kirche – für die einen schaffte das Vertrauen, bei anderen ging die „Klappe runter“ - mit Kirchenleuten wollen sie sich nicht einlassen.

In drei Monaten war das Trio weit herumgekommen: vom Main nach Nürnberg, weiter nach Speyer, Esslingen, Freiburg, schließlich nach Tirol, von dort zurück nach Würzburg. Hecke schneiden und Rasen mähen, Grundstück entrümpeln und Obstbäume auf Streuobstwiesen pflanzen und pflegen, Tischlerarbeit auf der Mitmach-Baustelle im sozialen Brennpunkt, Mitarbeit bei der Weinlese am Main und Holz spalten auf einem Bauernhof in Tirol. Die drei können anpacken, sind sportlich und handwerklich begabt, und auch im Alter von 50+ bis 60+ topfit. Meist. Auch der fitteste prellt sich den Rücken, wenn er unglücklich ausrutscht.

„Wir sind mit Leuten ins Gespräch gekommen, die wir sonst nie so getroffen hätten“, bilanziert Gerschel. Die verwitwete Frau mit ihrem erzkatholischen Freundeskreis, Freigeister mit esoterischem Einschlag, ein Paar mit schweißtreibendem Naturschutz-Engagement, soziale Arbeit am Drogen-Brennpunkt, Generationen-Spannungen im Weinbaubetrieb oder Tiroler Bauern mit kulturellem Netzwerk. Oder kulinarische Überraschungen wie das „Zwetschgenseidla“ - Bier mit Pflaumensaft - oder Hefekloß mit Preiselbeeren und Sauerkraut.

Am Ende der Reise nahmen sie noch einmal Kontakt auf mit den Stationen des Anfangs. Ein Gastgeber schrieb ins Walz-Buch: „Ihr seid als Fremde gekommen und als Freunde gegangen.“ – ein Eintrag, der viele Kontakte beschreibt.

Die nächsten Veranstaltungen

29. Januar (Do), 19 Uhr, Weimar, Herderzentrum
3. Februar (Di), 19 Uhr, Erfurt, Offene Arbeit

Immerhin: die drei Kirchenmänner hatten ja ihr sicheres Einkommen im Rücken. Denn ihre „Diakonische Walz“ lief in der Verwaltung der EKM als „Personalentwicklungsmaßnahme“. Unter dem Wortungetüm, auch „Kontaktsemester“ genannt, bietet die EKM ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, zur persönlichen Weiterentwicklung bis zu drei Monate aus dem Gewohnten auszusteigen. Unter diesem Dach planten Rene Thumser, Referent für Großveranstaltungen beim Gemeindedienst der EKM und mit Mitte 50 der jüngste der drei, und Brunngräber, neben und nach seinem kirchlichen Beruf als Diakon für Evangelische Jugendarbeit aktuell als freier Berater, Schauspieler, Musiker und Theaterpädagoge unterwegs. Gerschel, dem die Kirche diese „Personalentwicklungsmaßnahme“ nicht genehmigte, ging dafür vorzeitig in den Ruhestand.

Was hat sich also entwickelt? Im persönlichen Umgang beispielsweise die Erkenntnis, wie wichtig es ist, sich regelmäßig gegenseitig ohne Wertung und Streit mitzuteilen, wie Gefühle, Situationen und Verhalten wahrgenommen und bewertet werden. Überraschung: oft völlig unterschiedlich. Ehrlich äußern sie auch gegenüber den Zuhörern: Am Ende waren sie auch froh, wieder zu Hause zu sein. Es habe ein paar Wochen gedauert, bis sie einhellig sagen konnten: Die Freundschaft ist gewachsen.

Eine weitere Erkenntnis, so René Thumser, ließe sich auch auf viele Bereiche kirchlicher Arbeit übertragen: „Gemeinsam arbeiten, gemeinsam essen – das bringt einen gut ins Gespräch.“

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