Nora aus Nürnberg
Das kickboxende Christkind

Foto: epd-bild/ Peter Roggenthin
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Ein Christkind muss vieles können: freundlich und nahbar sein, sich den Prolog für die Eröffnung des Christkindlesmarkts merken, Kinderherzen verzaubern. Und auch Kickboxen?

Von Julia Riese

Mit einem kräftigen Tritt befördert Nora Falk ihre Boxpartnerin einige Schritte von sich weg. Diese geht sofort in den Gegenangriff über und zielt mit ihren Boxhandschuhen Richtung Kopf, was Nora mit einem gezielten Block abwehrt. All das passiert in einem kontrollierten Tempo. «Richtiges Sparring darf ich bis Weihnachten nicht mehr machen», sagt die 16-Jährige und lacht. Denn Nora ist seit diesem Jahr das Nürnberger Christkind. Mit einem blauen Auge oder geprellten Rippen Seniorenheime besuchen oder Kindern Geschenke machen? Das geht gar nicht.

Kickboxen ist nur eines der vielen Hobbys der Jugendlichen: Tennisspielen, Singen, Lesen und das Theater gehören zu ihren Leidenschaften. Und viel davon kann sie bei ihrer Aufgabe als Christkind durchaus gut gebrauchen. «Einerseits ist sie super diszipliniert, aber sie hat auch eine spielerische Neugier», sagt ihr Trainer beim Martial Arts Club «Rebels», Mattias. Für die verbleibende Zeit bis zum Fest ist er sich sicher: «Sie wird sich fokussieren und bei sich selbst bleiben können.»

Christkind in der Robe, danach wieder Nora

Der Kampfsport mache sie selbstsicherer, sagt Nora. Und auch das Theaterspielen habe ihr dabei geholfen. «Ich war früher sehr schüchtern und habe schwer neue Freunde gefunden», erzählt sie. Doch beim Theater müsse sie aus sich herauskommen. «Und sowas wie peinlich sein gibt es nicht - man spielt ja eine Rolle.» Ihre Lehrerin am Willstätter Gymnasium in Nürnberg, Nicole McCoy, sieht ebenfalls den Vorteil für die 16-Jährige. «Sie hat ja schon so viele Rollen kennengelernt.» Für McCoy ist es auch wichtig, dass Nora eine klare Grenze zieht: «Wenn sie die Robe anhat, ist sie das Christkind. Und danach ist sie wieder Nora.»

 Nora Falk  | Foto:  epd-bild/Julia Riese

Wie überwältigend das Christkind in seinem weiß-goldfarbenen Ornat mit den blonden Locken und der goldenen Krone daherkommt, hat Nora selbst schon als Kind erfahren. «Ich habe das Christkind zum ersten Mal im Kindergarten gesehen. Das fand ich richtig cool», erinnert sie sich. In der vierten Klasse durfte sie dann beim vorweihnachtlichen Lichterzug der Nürnberger Schulkinder ein Gedicht aufsagen. «Ich war total aufgeregt und konnte mich fast nicht beruhigen. Aber das Christkind war für mich da und hat mir geholfen, dass ich auf der Bühne sicher stehen kann.» So wie das Christkind damals für sie wolle sie jetzt auch für andere Kinder da sein.

Bewerbungsfrist fast verpasst

Dabei hätte Nora die Bewerbungsfrist fast verpasst, denn die Wahl des neuen Christkinds war in diesem Jahr zum ersten Mal schon im Sommer und nicht erst im Herbst. Deshalb musste es schnell gehen. «Ich saß dann mit meiner Mutter beim Arzt im Wartezimmer, und wir sind mein ganzes Leben durchgegangen: Was habe ich denn schon gemacht, was ist meine Motivation, was kann ich da reinschreiben?», erinnert sich Nora und schmunzelt. Offensichtlich sind ihr die richtigen Argumente eingefallen.

Rund 100 Termine nimmt Nora im Advent bis Heiligabend wahr.  Mit großem Ernst blickt sie auf ihre Aufgabe: «Wenn ein Christkind in den Raum kommt, dann muss es Wärme ausstrahlen. Den Vergleich mit einer Wunderkerze habe ich mal gehört, und das passt sehr gut», sagt Nora und strahlt dabei selbst.

epd

Foto: epd-bild/ Peter Roggenthin
 Nora Falk  | Foto:  epd-bild/Julia Riese
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