Warum die Krise die Gemeinschaft stärkt
Beglückt statt enttäuscht

Hendrik Mattenklodt

Wie feiert man eine Diamantene Hochzeit mitten in der Corona-Krise, wenn die Anweisung lautet: „50 Personen, maximal. Sonst lösen wir die Versammlung auf.“ Wir haben es erlebt, in der vorletzten Woche.

Von Hendrik Mattenklodt

Und es stellten sich ganz andere Fragen als sonst. Zum Beispiel: Wer besorgt Desinfektionsmittel? Wer bereitet Listen vor? Dann ist es soweit: Die Glocken läuten. Der Letzte trägt sich ein. Wir staunen: Es passt genau, wie abgezählt. Erleichterung in der Kirche. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Der Trauspruch, gewählt vor 60 Jahren, er spricht noch heute zu uns. „Halleluja!“ ruft da die Jubelbraut mitten in der Ansprache. Ein schöner Moment.
Was dann folgt, ist bekannt und wir fragen uns: Was geht da noch? Fast alles sagen wir ab. Aber doch nicht die Gottesdienste! Da kommt uns die Idee: Wir sind zwölf Orte im Pfarrbereich. Also laden wir an jedem Tag an zwei Orten ein. Dann kann in jeder Kirche einmal in der Woche der Abendsegen gesprochen werden. Ich telefoniere, nachmittags steht der Plan. Alle sind dabei. Wir legen los: Einladung über WhatsApp-Gruppen werden verschickt. In den ersten Dörfern läuten die Glocken zum Abendsegen – und Menschen kommen. Es tut uns gut. Es fließen Tränen. Auch verabreden wir, wen wir einmal anrufen oder für wen wir einkaufen könnten.
Auf dem Heimweg dann erreicht mich die Nachricht: „Kirche untersagt die Feier von Gottesdiensten!“ Nicht nur die schöne Segensidee für unser "12-Kirchen-Land" ist dahin. Bin ich enttäuscht? Nein, eher beglückt! Wann habe ich sonst mit den Kirchenältesten über nichts anderes als darüber gesprochen, was es jetzt heißt, Kirche zu sein? Wann sonst habe ich so deutlich gespürt, dass wir uns nach der Nähe Gottes sehnen? Wann sonst waren wir uns so einig: Lasst uns anfangen, jetzt und hier – auch, wenn morgen schon wieder alles anders ist? Ich denke an den Sonntag Laetare: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Kirche wächst über die Krise hinaus.

Der Autor ist Pfarrer der Kirchspiele Buttelstedt und Neumark Einblick

Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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