Weihnachtsbetrachtung vom Landesbischof
Eine Vision von Ewigem Frieden
- Die weltweit größte Engel-Sammlung: Das Engel-Museum in Engelskirchen verfügt über rund 20000 Figuren und Bilder himmlischer Boten. Auf dem Foto: Ein Leuchtengel mit Krippe aus Berchtesgaden
- Foto: epd-bild/Meike Böschemeyer
- hochgeladen von Online-Redaktion
Bittere und verunsichernde Zeiten, wenn das Geliebte und Bekannte, eine Welt von gestern, zusammenbricht und in Staub zerfällt. Wenn Du neu sehen musst, wie es weitergehen kann.
Von Friedrich Kramer
Der Prophet Hesekiel hat dies in großer Brutalität erlebt. Von ihm wissen wir, dass er ein Priester am Tempel in Jerusalem gewesen ist und den Untergang der Stadt und des Tempels 587 v. Chr. miterlebt hat. Wo gehört er nun hin, da die Institutionen zerfallen sind, denen er angehörte – der Tempel, die Stadt und vermutlich auch seine Familie? Er war verschleppt worden, mit den 10.000 Oberen in die Gefangenschaft, ins Exil nach Babylon.
„Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein“
Aber Hesekiel träumt keinen Albtraum. Was wir von ihm lesen, enthält stattdessen eine Fülle von Zukunftsbildern mit viel Zuversicht. Für Weihnachten ist als Text eine seiner Visionen vom ewigen Frieden ausgewählt worden: „Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein“ (Hesekiel 37,26). In der Fremde und gegen das Exil malt der Prophet in prächtigen Farben, wie ihm neue Hoffnung durch Gott zugewachsen ist.
Aus dem Zusammenbruch wächst bei Hesekiel eine Vision von ewigem Frieden. Darauf muss man erst einmal kommen! Statt den Gott Israels zu verwerfen, der die Katastrophe nicht verhindert hat, hält Gottes Volk Israel treu an seinem Gott fest. Solch eine überragende Glaubenskraft, dem Unheil zu widerstehen, den Zusammenbruch umzudenken, woher kommt sie? Sind solche Botschaften gegen den Augenschein nicht absurd und realitätsfern? Die Geschichte Israels spricht eine andere Sprache: In dieser schwierigen Zeit, im Exil ist aus der Treue zu Gott eine unglaubliche, Kultur schaffende Kraft durch Gott entstanden, in der auch wir unsere Wurzeln haben und die sich mit dem Stall von Bethlehem und dem Kreuz auf Golgatha verbindet und uns Hoffnung auf Erneuerung durch Gottes Güte aus dem Zusammenbruch schenkt, Auferstehung aus dem Tod, Kraft aus dem Untergang. Das müsste uns doch alle Angst vor der Zukunft nehmen.
Damals war es ein frommer Prophet eines kleinen Volkes fern seiner Hauptstadt, die es nicht mehr gab, der eine solch unfassbare Hoffnung formulierte: Einen Bund des Ewigen Friedens. Fast 600 Jahre später, an der Zeitenwende, wird die Hoffnung auf den Ewigen Frieden Gesang: “Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden”, und die Christen identifizieren den Ewigen Frieden mit dem, der am Kreuz gestorben ist: Christus ist der Ewige Friede. 1795 Jahre danach wird der protestantische Philosoph Immanuel Kant den Ewigen Frieden durchdenken und „Zum ewigen Frieden“ schreiben. Und 150 Jahre später, nach dem brutalsten Krieg der Geschichte, wird aus der Zerstörung eine Weltfriedensordnung mit der Charta der Vereinten Nationen formuliert, in der sich alle Völker auf den ewigen Frieden verpflichten.
“Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden”
Der Ewige Friede kommt nicht durch Waffen und Gewalt, sondern durch Gott, der ihn neu ausrichtet. So sieht es Hesekiel. Es wird Heimkehr und Neuanfang geben: “Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.” Der Knecht David wird der Hirte sein, nicht der Kriegsherr, und alle wandeln im Licht der Weisungen Gottes.
Wir entdecken den Knecht Davids in dem Kind in der Krippe. Gottes Menschwerdung für den großen Frieden, den Schalom der Welt. Das Kind in der Krippe ist der Frieden, der verheißen und besungen wird: Friede auf Erde kommt als Kind und schafft Frieden des Menschen mit Gott, mit sich selbst und der Mitwelt. Dieser Friede wird uns zugesagt im Evangelium, das unser Herz neu macht. Wir schmecken diesen Frieden in der Feier des Abendmahls, die an Leben und Seligkeit Anteil gibt. Dieser Friede wird greifbar im “Beten, Tun des Gerechten und Warten auf die Zeit Gottes”, wie es Dietrich Bonhoeffer formuliert hat. Christus selbst ist der ewige Friede, den wir in der Verheißung des Hesekiel entdecken. Dieser Friede ist gewaltfrei, durch das Leiden hindurch, und es ist ein Friede, der mit dem Frieden für das Volk Israel beginnt.
Ungezählte Weltenherrscher haben sich als Friedensbringer verehren lassen und auch heute erleben wir, wie sich die Großen selbst für den Friedensnobelpreis empfehlen. Jesus Christus aber schließt in seinem Sterben und Auferstehen den Bund des Ewige Friedens. Er kommt – im Moment noch verborgen im Kind in der Krippe, doch voller Kraft in der Dunkelheit unserer Tage und gewaltig am Ende der Zeiten.
Friedliche und gesegnete Weihnachten!
Der Autor ist Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.