Afghanistan
Diakonie und Kirchen fordern Schutz gefährdeter Menschen

Geordneter Abzug: Soldaten der Bundeswehr steigen am 29. Juni in Mazar-e Sharif in Afghanistan, im Zuge der Rückverlegung und Ende der Mission Resolute Support (RSM), in das Transportflugzeug. Nun, nach der Machtübernahme der Taliban wächst die Sorge um das Leben jener Afghanen, die mit ausländischen Streitkräften und Hilfsorganisationen gearbeitet haben.
  • Geordneter Abzug: Soldaten der Bundeswehr steigen am 29. Juni in Mazar-e Sharif in Afghanistan, im Zuge der Rückverlegung und Ende der Mission Resolute Support (RSM), in das Transportflugzeug. Nun, nach der Machtübernahme der Taliban wächst die Sorge um das Leben jener Afghanen, die mit ausländischen Streitkräften und Hilfsorganisationen gearbeitet haben.
  • Foto: epd-bild/Torsten Kraatz
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Berlin (epd) - Nach der Machtübernahme in Afghanistan zeigt sich die Taliban-Führung demonstrativ um Normalität bemüht. Aus dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Kabul wies sie am Dienstag ihre Kämpfer an, nicht in fremde Häuser einzudringen und das Eigentum der Menschen zu respektieren, wie der TV-Sender Tolo berichtete. Zudem erklärten die Aufständischen dem arabischen Sender Al-Dschasira zufolge eine «Amnestie» und riefen Frauen auf, am politischen Leben teilzunehmen. Afghanische Ortskräfte, die für die internationalen Streitkräfte und ausländischen Hilfsorganisationen gearbeitet haben, fürchten derweil um ihr Leben und hoffen, bald evakuiert zu werden.

Die Evakuierungsoperation vom Flughafen in Kabul ging aber zunächst kaum voran. Die Bundeswehr flog in der Nacht zum Dienstag eine erste Gruppe von nur sieben Personen im Militärflieger vom Typ A400M ins Nachbarland Usbekistan aus. Das Auswärtige Amt begründete die geringe Zahl mit den schwierigen Bedingungen vor Ort.

Die Bundesregierung sprach in den vergangenen Wochen stets von etwa 2.500 afghanischen Ortskräften der Bundeswehr und der deutschen Polizei, von denen 1.900 inzwischen in Deutschland seien. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurden zuletzt darüber hinaus noch 1.500 afghanische Ortskräfte kontaktiert, die für staatliche Entwicklungsorganisationen und deutsche Nichtregierungsorganisationen gearbeitet haben. Von denen hätten sich knapp 600 gemeldet. Das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte, das sich insbesondere um die Helfer der Bundeswehr kümmert, spricht hingegen von gut 8.000 Ortskräften und davon, dass vier von fünf Menschen, die Deutschland am Hindukusch geholfen haben, zurückgelassen werden.

Am Flughafen von Kabul versammelten sich Tausende verzweifelte Menschen, um außer Landes zu fliehen. US-Soldaten hatten am Dienstagmorgen Landebahn und Rollfeld geräumt. Am Vortag waren beim Ansturm auf den Flughafen und dramatischen Versuchen von Menschen, sich an die startenden Flieger zu hängen, mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der «Rheinischen Post» (Mittwoch), dass die deutschen und internationalen Beschäftigen der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sicher das Land verlassen hätten. Die Entwicklungszusammenarbeit sei ausgesetzt. Müller versicherte, dass daran gearbeitet werde, Ortskräfte der deutschen Entwicklungsarbeit und kooperierender Hilfsorganisationen, die dies wollten, sicher aus Afghanistan zu bringen. Die Bundesregierung war bislang davon ausgegangen, auch nach Abzug der internationalen Streitkräfte noch Entwicklungsarbeit vor Ort leisten zu können.

Die Hilfswerke «Brot für die Welt» und Diakonie Deutschland forderten eine unbürokratische Aufnahme besonders gefährdeter Personen. «Viele Menschen, die sich in den letzten Jahren - auch mit Geldern der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit - für den Aufbau von Demokratie, Menschenrechten und einer kritischen Zivilgesellschaft stark gemacht haben, sind jetzt in akuter Lebensgefahr», erklärte die Präsidentin von «Brot für die Welt» und Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin. Es brauche dringend großzügige Schutzkontingente und eine sofortige Evakuierung besonders gefährdeter Frauen und Männer.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte, die jetzt eingetretene Lage zehre das politische Vertrauenskapital der westlichen Länder auf und werde von vielen in aller Welt als «moralischer Bankrott» verstanden.

Der afghanische Fernsehsender Tolo News zeigte wieder Frauen auf dem Bildschirm: Die Journalistin Beheshta Arghand interviewte einen Vertreter der Aufständischen. Und eine Reporterin berichtete aus den Straßen von Kabul. Am Montag hatte der Sender nur männliche Moderatoren und Reporter im Programm gehabt. Dennoch blieben die Straßen von Kabul weiterhin vergleichsweise leer.

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Beatrix Heinrichs

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