Das Beste kommt noch: Die Gnadengabe der Freude

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Philipper 4, Verse 4 und 5

Die Freude wohnt in mir – tief drinnen. Manchmal zieht sie sich auf einen Punkt zusammen und ist kaum aufzufinden. Dann wieder explodiert sie, füllt mich ganz aus, von den Haarwurzeln bis zu den Zehenspitzen. Die Freude ist stark – und die Freude ist schwach. Auf diese Weise gehört sie zu mir, ein Grundgefühl, eine »Glut, die dem Sein innewohnt« (E. Fromm).
Sie ist mir gegeben von Anfang an. Im staunenden Blick derer, die mich, kaum geboren, zum ersten Mal sahen. Im selbstverständlichen Nahesein vertrauter Menschen in den Wechselfällen des Lebens, im zarten Morgenrot an einem Wintermorgen. Mehr aber noch hat sie ihren Grund in der Freude Gottes selbst, aus der heraus er mich beim Namen und ins Leben rief. Bei ihm ist Freude die Fülle in Ewigkeit. Die Freude ist seine Gnadengabe. Deshalb wohl sind die beiden Worte Gnade und Freude im Urtext des Neuen Testaments auch ganz eng miteinander verwandt. Und alle Freude, die er in mich hineingelegt hat, ist mein Teil vom Himmelreich – schon jetzt.
Gott sorgt auch dafür, dass die Freude unter uns nicht zugrunde geht, so sehr es Zeiten gibt, die von Angst und Schrecken erzählen, vom Mangel und Vermissen der Freude. Alle Jahre wieder lässt er den Ruf des Engels erklingen: Siehe, ich verkündige euch große Freude. Christus, der Freudenmeister, kommt. Im Stall von Bethlehem. Und dermaleinst am jüngsten Tag. Vergesst es nicht: Das Beste kommt noch.
Diese Freude muss es auch sein, die den Apostel Paulus erfüllt. Er sitzt im Gefängnis. Der Prozessausgang ist ungewiss, Vereinsamung wird spürbar. Wie weiter? Wer es jetzt wagen würde, ihm gegenüber von Freude zu sprechen, ihm gut zuzureden, müsste sich den Vorwurf gefallen lassen, zynisch oder mindestens höchst unsensibel zu sein. Doch Paulus selbst spricht davon: Christus wird wiederkommen. Er ist meine Kraft und meine Freude, mitten im Ausgeliefertsein. Nein, Freude lässt sich nicht befehlen. Aber sie lässt sich anstoßen. Auch in mir – tief drinnen. Danke, Paulus.
Hanna Kasparick, promovierte Theologin, Wittenberg

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