Kommentar
Aus Worten werden Taten

Von Katja Schmidtke

Am Anfang war das Wort: Gott nahm das Nichts und machte daraus alles. Allein durch sein Wort. Auch heute erschaffen Worte Welten. Wenn auch ganz andere als Gottes Wunsch für uns.
Algorithmen basteln Wirklichkeiten, Filterblasen setzen uns getönte Brillen auf, im Internet finden wir Nischen, Komfortzonen. Und auch im analogen Leben vermögen wir es kaum mehr, uns auf ein gemeinsames Vokabular zu verständigen. Der gesellschaftliche und politische Diskurs verroht. Grenzen weichen auf: Was früher undenkbar schien, wird heute plötzlich sagbar. Und aus Worten werden Taten.
Der Mann, der in Halle zwei Menschen tötete, zwei Menschen schwer verletzte und 60 Juden in einer Synagoge umbringen wollte, mag ein Einzeltäter im juristischen Sinne ein. Aber der Boden, auf dem ein menschenverachtendes Weltbild wie das seine gedeihen konnte, den haben viele mitbestellt.
"Denkmal der Schande", "Vogelschiss der Geschichte", "wir wer-den sie jagen", "in Anatolien entsorgen" – so sprechen Spitzenpolitiker in diesem Land. In beispielloser Weise haben Rechtspopulisten in den vergangenen Jahren menschenfeindliches Gedankengut in die Mitte unserer Gesellschaft getragen. Mit einem Beileids-Posting auf Facebook entlässt sich niemand aus seiner Verantwortung.
Gleichwohl: Wir alle tragen Verantwortung – für das Klima, das Miteinander in unserem Land. Kritisieren wir konstruktiv, oder zeigen wir mit dem Finger auf andere? Kommen wir wirklich ins Gespräch, oder tauschen wir altbekannte Floskeln aus? Nehmen wir den anderen als Menschen wahr oder als Gegner und Feind? Antworten wir auf den Hass mit Hass? Ich bin ratlos, ich habe keine Antworten, aber die Fragen drängen sich mir auf.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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