Gaming trifft Glaubensfragen
Zwischen Spiel und Spiritualität

Foto:  epd-bild/Detlef Heese
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Computerspiele gehören für über 90 Prozent der jungen Erwachsenen zum Lebensalltag. Ein Pilotprojekt im Kirchenkreis Fulda will zeigen, dass Gaming und Glaubensthemen kein Widerspruch sind.

Von Helga Kristina Kothe

Was macht ein Licht in einer dunklen Welt so kraftvoll - und wie entstehen Orte der Hoffnung? Am Beispiel des Videospiels «Expedition 33», in dem eine Gruppe eine Gesellschaft vor einem übernatürlichen Wesen retten muss, diskutieren die Teilnehmenden von «Faith and Pixels» im Chat diese Fragen. Das Projekt im evangelischen Kirchenkreis Fulda, das nach eigenen Angaben deutschlandweit einzigartig ist, verbindet Gaming mit Kirche.

Gemeindepädagoge Ruben Ullrich, Jugendpfarrer Maximilian Weber-Weigelt, Gemeindepädagoge Robin Feldhaus (v.l.n.r.) in der Martinskirche Kassel  | Foto: epd-bild/Andreas Fischer
  • Gemeindepädagoge Ruben Ullrich, Jugendpfarrer Maximilian Weber-Weigelt, Gemeindepädagoge Robin Feldhaus (v.l.n.r.) in der Martinskirche Kassel
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Gefördert vom Innovationsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und dem Jugendverband «Entschieden für Christus» (EC) mit Sitz in Kassel wollen Pfarrer Maximilian Weber-Weigelt sowie die Gemeindepädagogen Ruben Ullrich und Robin Feldhaus neue Räume für Dialog, Reflexion und Gemeinschaft schaffen.

Bei «Faith and Pixels» werden Spiele, Live-Talks, Podcasts und Online-Events genutzt, um über Ethik, Moral und zentrale Lebensfragen ins Gespräch zu kommen. Im Mittelpunkt stehe der Austausch auf Augenhöhe über Spiritualität, Lebenssinn und digitale Kultur.

Brücken zwischen Alltag und gelebtem Glauben

Weber-Weigelt betont: «Glauben und Gaming gehören zusammen, weil viele Computerspiele Fragen aufwerfen, die weit über das Spiel hinausgehen.» «Faith and Pixels» wolle zeigen, dass digitale Welten mehr sein können als bloße Unterhaltung. Der Pfarrer aus Bieberstein-Dipperz betont, dass Computerspiele ein fester Bestandteil der Jugendkultur seien und Kirche dort präsent sein solle. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen liege der Anteil der Computerspielenden bei über 90 Prozent. Gaming sei Teil der Lebenswelt vieler junger Erwachsener. «Faith and Pixels» zeige, dass Gaming ein Resonanzraum für Sinn- und Glaubensfragen sein könne - «nicht, weil es Kirche ersetzt, sondern weil es Brücken zwischen Alltag, Kultur und gelebtem Glauben baut».

«Die Kirche muss sich dieser Realität stellen», ergänzt der Gemeindepädagoge Robin Feldhaus. Sie tue sich damit jedoch schwer und verpasse so die Chance, im Leben der Menschen präsent zu sein. Diese wollen die Macher von «Faith and Pixels» nutzen: Sie streamen wöchentlich auf Twitch und YouTube, veröffentlichen Podcasts auf Spotify und Apple Podcasts und sind auf Social Media aktiv.

«Faith and Pixels» unterscheidet sich von bisherigen kirchlichen Initiativen im digitalen Raum, da das Projekt eine Nische besetzt und sich gezielt an junge Erwachsene im Alter von 20 bis 35 Jahren richtet. Laut Feldhaus wird diese Altersgruppe in der kirchlichen Arbeit häufig kaum berücksichtigt.

Das Team spricht die «Sprache der Szene»

Zudem ist das Projekt durch die enge Verbindung der Initiatoren zur Gaming-Szene geprägt. Gemeindepädagoge Ruben Ullrich erklärt, dass sich zwar frühere Angebote an Gamerinnen und Gamer gerichtet hätten, aber selten von ihnen selbst gestaltet worden seien. Das Team spreche die Sprache der Szene, sei mit Videospielen aufgewachsen und begegne den Teilnehmenden authentisch und vorurteilsfrei: «Weil wir Gaming lieben.»

Die Spiele würden bewusst so ausgewählt, dass sie Gespräche über Glauben, Lebensfragen und gesellschaftliche Themen anstoßen, erläutert Ullrich. Thematisiert werden etwa Fragen nach Zugehörigkeit, Identität oder dem Umgang mit dem Gefühl, anders zu sein. Auch Eskapismus spielt eine Rolle: «Dürfen Games dazu da sein, für einen Moment Ruhe von einer lauten Welt zu finden? Und wie gehen wir damit in unserem eigenen Leben um?»

Gemeindepädagoge Feldhaus sieht seine Rolle im Stream als thematischen Impulsgeber: «Meine Gedanken sind ein Aufschlag, auf den die Zuschauer reagieren können.» Die meisten schwiegen, aber manche seien im Chat sehr aktiv und teilten ihre Meinungen und Erfahrungen:
«Im interaktiven Austausch entsteht dann nach und nach Gemeinschaft.»

Ist Gaming Sünde?

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind positiv. So berichtet etwa ein YouTube-Nutzer auf der Plattform, dass er nach Jahren als leidenschaftlicher Gamer seinen Weg zurück zum christlichen Glauben gefunden habe, ohne sein Hobby aufgeben zu müssen. In manchen christlichen Online-Räumen werde Gaming als sündhaft dargestellt, was ihn verunsichert habe.

Nach Ansicht der Landeskirche eröffnet «Faith and Pixels» neue Möglichkeiten kirchlicher Präsenz. Gabriele Stahl, Beauftragte für Innovationsförderung in der EKKW, erklärt, der Innovationsfonds unterstütze gezielt Projekte, die neue Wege erproben und an neuen Orten sichtbar werden wollen. Dazu zähle ausdrücklich auch der digitale Raum, in dem Millionen Menschen Teil von Gaming-Communitys seien.

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Gemeindepädagoge Ruben Ullrich, Jugendpfarrer Maximilian Weber-Weigelt, Gemeindepädagoge Robin Feldhaus (v.l.n.r.) in der Martinskirche Kassel  | Foto: epd-bild/Andreas Fischer
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