Seelsorge am Dom: Die Reformierte Gemeinde will Angebot ausweiten
Raum fürs Reden

Ohne Termin: Seelsorgegespräche oder Anfragen an das Pfarrbüro werden in der Domgemeinde Halle ganz unbürokratisch jeden Freitag entgegengenommen.
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  • Foto: Steffen Schellhorn
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Die drei Stufen zum Hauseingang nach oben. An der Tür das Schild mit den Sprechzeiten. So steht es an jeder Praxis, Anwaltskanzlei, beim Steuerberater und bisweilen auch beim Pfarrer. Einen Termin für ein Seelsorge-Gespräch während einer Sprechzeit zu vereinbaren, klingt jedoch sonderbar offiziell. Der Pfarrer hat doch bestimmt Wichtigeres zu tun: die Predigt schreiben, den Konfirmandenunterricht vorbereiten … Für viele Menschen scheint die Schwelle zu groß; auf der anderen Seite wünschen sich Pfarrer, die Seelsorge würde im breiten Spektrum ihres Berufs einen größeren Platz einnehmen.
Die evangelisch-reformierte Domgemeinde zu Halle will nun mithelfen, diese Hemmschwellen zu senken. »Seelsorge am Dom« heißt das zunächst auf sechs Monate befristete Angebot, für das freitags von 14 bis 18 Uhr ein Zimmer im Torhaus des Doms aufgeschlossen wird. Hier ist Raum für Gespräche und Platz für Sorgen und Nöte, die bislang unausgesprochen blieben. Die Idee dazu kam aus der Gemeinde und fand bei Presbyterium wie Mitarbeitern gleichermaßen Anklang.
Allein bewältigt die Domgemeinde den Seelsorge-Freitag nicht. Rund ein Dutzend Pfarrer, viele von ihnen im Ruhestand wie Curt Stauss und Christine Keller, aber auch berufstätige Theologen wie Christoph Victor und Ulrike Wolter-Victor beteiligen sich.
»Unsere Initiative ist auf großes Interesse gestoßen und wird vom Seelsorgeseminar in Halle und den Klinikseelsorgern unterstützt«, berichtet Judith Königsdörfer. Sie arbeitet seit März 2018 als Referentin am Dom und soll ein Netzwerk in Gesellschaft und Kultur knüpfen, zu nicht-kirchlichen Initiativen und Einrichtungen. Es sei wichtig, so Königsdörfer, dass sich Kirche auch außerhalb kirchlicher Kreise bewege und dass sie gerade dort ihre geschützten Räume anbiete.
Die Domgemeinde ist aufgrund ihrer Geschichte und Tradition eine offene Kirchengemeinde. Sommers wie winters ist die dreischiffige Hallenkirche, die im Stadtbild schnell übersehen werden kann, weil ihr der Turm fehlt, für Besucher geöffnet. Rund 33 000 Menschen besuchten sie im vergangenen Jahr. Viele drehen nur eine Runde, bestaunen die mächtige und frisch sanierte Wäldner-Orgel.
Andere, die gerne länger bleiben und mit einem erfahrenen Seelsorger in ein zwangloses Gespräch kommen möchten, können dies nun jeden Freitagnachmittag tun. »Wir denken, es ist für den ein oder anderen einfacher, zu einem offenen Termin zu kommen. Das ist nicht so hochoffiziell wie einen Termin im Pfarrbüro zu vereinbaren«, sagt Judith Königsdörfer.
Es mag um Tod und Trauer gehen ebenso wie um Dankbarkeit nach überstandener Krankheit oder um Zeiten, in denen sich das Leben wandelt und ändert. Alles, was die Menschen beschäftigt, können sie besprechen – Konfessionszugehörigkeit, Glauben oder Nichtglauben spielen keine Rolle. »Wir wollen einfach ein Angebot schaffen für die Menschen der Stadt«, so Königsdörfer.
Katja Schmidtke

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